Januar 19, 2020 5 min. Lesezeit

„Weltweit leben 122 Frauen im Alter von 25 bis 34 Jahren in extremer Armut, verglichen mit 100 Männern derselben Altersgruppe. Die globalen geschlechtsbedingten Lohnunterschiede belaufen sich auf 23 Prozent. Bei Frauen ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre Ernährungssituation als unsicher angeben, bis zu 11 Prozent höher als bei Männern.“

Zitat aus: Bericht der Vereinten Nationen, Den Versprechen Taten folgen lassen: Gleichstellung in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (2018)

Viele von euch werden sich fragen: Wie kann Geschlechter-Ungleichheit heute ernsthaft noch ein Thema sein? Immerhin sind wir gerade in den 20er Jahren angekommen – des 21. Jahrhunderts wohlgemerkt! Es ist leider ein nicht ganz so witziger Fun-Fact, dass Frauen weltweit deutlich stärker von Armut betroffen sind als Männer. Die Vereinten Nationen haben dies in einer groß angelegten Studie 2018 herausgefunden. Eine weitere Erkenntnis der Untersuchung: der Wandel kommt langsam – wenn überhaupt.

Schaut man zurück auf den Bericht der UN aus dem Jahr 2009 – also vor über 10 Jahren –, dann mussten die Politiker damals feststellen, dass „trotz mancher Fortschritte in den letzten Jahren sechs von 10 Menschen die in extremer Armut leben und zwei Drittel aller Analphabeten Mädchen und Frauen sind.“ Vielleicht noch beunruhigender: ein Drittel aller Frauen war und ist immer noch „betroffen von Gewalt, ob in Konfliktgebieten oder Zuhause hinter verschlossenen Türen.“

Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache. Die Frage ist also, wie man Frauen dabei helfen kann, ihre Situation zu verbessern. Wie immer beginnt alles damit, überhaupt erst einmal ein Bewusstsein für das Problem zu schaffen. So unangenehm es vielleicht auch sein mag: das heißt, dass es Menschen braucht, die das Problem ehrlich ansprechen – und Männer, die zuhören. Also richtig zuhören. (Sorry Jungs, aber es muss sein)

Zuzugeben, dass Frauen in vielen Teilen der Welt immer noch nicht gleichberechtigt sind, ist der erste Schritt. Und um möglichem Protest zuvorzukommen: wir sprechen hier noch gar nicht von Frauenquoten oder dem Mangel an Damen in Führungspositionen, sondern von echter Armut und echtem Elend am unteren Ende des ökonomischen Spektrums. Die wahren Ursachen für die Ungleichheit in ökonomischen Belangen sind oft vielschichtig:

Natürlich sind stereotype Geschlechter-Rollen hier (leider immer noch) von besonderer Bedeutung. Das Klischee vom Mann als dem Ernährer und der Frau als Heimchen am Herd ist in vielen Teilen der Welt Schnee von gestern, Gott sei Dank. Doch der Siegeszug der Gleichberechtigung lässt international noch auf sich warten. Auf globalem Maßstab gesehen machen Frauen immer noch die am schlechtesten bezahlten Jobs – Hausangestellte, Erzieherinnen, Pflegerinnen, Krankenschwestern und Putzfrauen kommen einem da in den Sinn. Die Vereinten Nationen und die Charity-Organisation Oxfam kommen in ihren Analysen etwa zum gleichen Ergebnis: „beim derzeitigen Stand der Entwicklung verdienen Frauen durchschnittlich etwa 23 bis 24 Prozent weniger als Männer.“ Und weiter erfährt man darin, dass etwa 700 Millionen mehr Frauen als Männer keine Arbeit haben, um sich selbst zu ernähren. Wenn Frauen – besonders in Schwellenländern – dann doch einen Job haben, dann ist es meist kein guter – und zwar mit einer Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent.

Das heißt: diese Frauen arbeiten im sogenannten „informellen Sektor“ – also in einer Art Schattenwirtschaft, einer Grauzone ohne richtigen Arbeitsvertrag, ohne soziale Absicherung, Krankenversicherung oder vernünftige Löhne. Unter diesen Umständen fällt es vielen Frauen schwer, der Armut zu entkommen. Gleichzeitig haben viele dieser Frauen keine Wahl – sie brauchen ihren Job, so schlecht er auch sein mag.

Und damit hier keine Missverständnisse aufkommen: wir sprechen hier nicht von Jobs, die Frauen machen, um ein bisschen Taschengeld zum Shoppen dazu zu verdienen. Es geht für sie ums Überleben – und darum ihre Kinder satt zu machen und in die Schule schicken zu können. Wenn es um unbezahlte Jobs geht, dann ist die Frauenquote natürlich flächendeckend längst traurige Realität – kochen, putzen, Wäsche waschen, Kinder erziehen und den Haushalt schmeißen – das sind alles Dinge, die vor allem Frauen so nebenbei erledigen (dürfen). Diese Situation macht aus sonst glücklichen Frauen schnell mal „Desperate Housewives“ – und das ist viel weniger lustig als es klingt.

Geeta Rao Gupta, Seniorpartnerin beim Global Development Program der Bill & Melinda Gates Foundation erklärt zum Problem benachteiligter Mädchen und Frauen in ihrem Beitrag zur Lage der Frauen auf der Welt bereits 2012:

„Geschlechternomen definieren die Rolle der Frau vor allem mit Bezug auf das Haus, die Rolle als Mutter und Fürsorgerin, und die Rolle des Mannes als verantwortlich für produktive Aktivitäten außerhalb des Hauses. Diese Normen beeinflussen institutionelle Regeln und Gesetze, die wiederum den Zugang von Männern und Frauen zu Ressourcen wie Bildung, Arbeit, Land und Krediten bestimmen.“

In vielen Fällen muss die Hausarbeit zusätzlich zu einem weiteren, unterbezahlten Job erledigt werden. So verlieren Frauen laut einer Berechnung von Oxfam insgesamt 9 Billionen Dollar an Wirtschaftskraft pro Jahr verglichen mit ihren männlichen Mitmenschen. Man stelle sich einmal vor, was mit diesem Geld alles getan und erwirtschaftet werden könnte – abgesehen natürlich vom Kauf neuer Schuhe und Handtaschen…

Interessant ist, was viele Untersuchungen weltweit herausgefunden haben: Je mehr Frauen einer sicheren, gut bezahlten Arbeit nachgehen, umso stärker sinkt die Armut allgemein. Oder mit den Worten der Vereinten Nationen:

„Wenn Männer und Frauen gleiche Möglichkeiten und Freiheiten haben, beschleunigt sich das wirtschaftliche Wachstum und das Armutsrisiko sinkt rapide – und zwar für alle – Männer und Frauen gleichermaßen.“

Warum ist das so? Naja, vielleicht weil Frauen doch nicht ganz so viel Geld für Lip-Gloss ausgeben wie allgemein angenommen, sie immer noch den Grundstein der Familie bilden, in vielen Fällen das Budget eines Haushalts überwachen und dementsprechend mehr Geld für ihre Kinder (und deren Bildung) investieren, je mehr sie zur Verfügung haben – besonders wenn sie alleinerziehend sind. Das ist auch der Grund, warum das Empowerment von Frauen die effektivste Art ist, global gegen Armut anzugehen. EMERALD BERLIN möchte deshalb gerne einen Beitrag dazu leisten, Armut zu bekämpfen und Geschlechtergerechtigkeit zu fördern. Deshalb unterstützt EMERALD BERLIN zum Beispiel das Projekt des Glocal Lifelearn e.V. Mit ihrem Take.Action-Programm in Uganda unterstützt der Verein junge Afrikanerinnen und Afrikaner dabei, eine eigene, professionelle Karriere zu starten und so den Teufelskreis aus Armut und Hunger zu durchbrechen.

Bildung ist dabei der Schlüssel. Der Verein Glocal Lifelearn e.V. bietet besonders jungen Mädchen und alleinerziehenden Müttern die Möglichkeit, eine Berufsausbildung zu absolvieren, um so selbst auf dem Arbeitsmarkt aktiv und damit ökonomisch unabhängig zu werden. Gesponsert durch Spenden und Paten und in Kooperation mit lokalen Betrieben lernen junge Frauen hier ein Handwerk – etwa Schneiderin oder Friseurin – um so der harten und oft ausweglosen Arbeit auf den Feldern zu entkommen und ihre Familien und Communities besser zu unterstützen.

EMERALD BERLIN möchte dieses Projekt bekannter machen und so viele Menschen wie möglich dafür begeistern, hier aktiv zu werden und das Projekt zu unterstützen. Möchtest auch DU uns dabei helfen, dann lies den gesamten Artikel auf unserer Webseite und teile Ihn mit deinen Freunden in den sozialen Medien.

Mit dem Kauf eines Artikels unserer EMERALD x Glocal Lifelearn e.V. – Kollektion kannst auch DU auf das Projekt aufmerksam machen – und die Menschen vor Ort direkt unterstützen.

Wir danken Dir für dein Interesse und deine Hilfe!


Der Autor dieses Blog-Artikels ist Marc Dassen. Du möchtest Ihm eine Rückmeldung geben oder hast eine Frage? Schreibe Ihm gerne via marc@emerald-berlin.com.


Schreiben Sie einen Kommentar

Kommentare werden vor der Veröffentlichung genehmigt.


Vollständigen Artikel anzeigen

EMERALD Berlin in conversation with Caro Kotke and Stephanie Diederichsen
EMERALD Berlin in Konversation mit Caro Kotke und Stephanie Diederichsen

September 09, 2020 4 min. Lesezeit

How can I donate hair? Hair donation – a piece of me for you
Wie kann ich Haare spenden? Haarspende – ein Stück von mir für dich

September 04, 2020 6 min. Lesezeit

Emerald Berlin in conversation with Jamina1404
EMERALD BERLIN im Gespräch with Jamina1404

August 26, 2020 2 min. Lesezeit

Abonniere unseren Newsletter

German