März 22, 2020 6 min. Lesezeit

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

(Alanis Obomsawin, kanadisch-indianische Dokumentarfilmerin)

Regenwälder, die atemberaubendsten Lebensräume der Erde, haben nicht nur für indigene Völker, einzigartige Tierarten und das ökologische Gleichgewicht der Erde eine riesige Bedeutung. Unter dem dichten Blätterdach liegen wahre Schatzkammern der Natur –uralte Bäume, aber auch Öl, Gold und seltene Erden wecken Begehrlichkeiten. Wie weit es mit der Ausbeutung der Regenwälder schon ist, wer dahintersteckt und wie Alternativen zum Raubbau an der Natur aussehen könnten, erfahrt Ihr in diesem Blog-Beitrag von EMERALD BERLIN!

Wer sich mit dem Thema Regenwald näher beschäftigt, geht im Wesentlichen durch drei Phasen. Phase Eins: Staunen. Wie gigantisch groß die Wälder rund um den Äquator wirklich sind, wie unendlich reich ihre Vielfalt an Pflanzen und Tieren, das sprengt einfach die Vorstellungskraft. Kein Wunder, dass die Urwälder am Amazonas auch als „grüner Ozean“ bezeichnet werden. Und wer von uns hat noch nicht davon geträumt, diese letzten Paradiese eines Tages selbst einmal mit eigenen Augen zu sehen?

Unter den endlosen Blätterdächern existiert sie noch: die unberührte Wildnis, die viele von uns nur aus Dokumentarfilmen kennen. Und wisst Ihr was wirklich verrückt ist? Ab und zu werden in den unendlichen Weiten des Amazonasgebietes auch heute noch völlig unbekannte, isoliert lebende Naturvölker entdeckt, die bislang keinen Kontakt zur Zivilisation hatten. Auch wenn man es sich kaum vorstellen kann: die haben ernsthaft kein W-Lan und können mit Begriffen wie Trump oder Justin Bieber nichts anfangen. Beneidenswert, oder?

"Mehr als die Hälfte aller bekannten Tier- und Pflanzenarten sind in den Regenwäldern zu Hause – und Millionen noch unbekannte Arten warten auf ihre Entdeckung."

Insgesamt liegen rund 40 Länder der Erde ganz oder teilweise im Regenwaldgebiet. Tropische Wälder erstrecken sich auf beiden Seiten des Äquators über vier Kontinente: Asien, Afrika, Australien sowie Süd- und Mittelamerika. Zusammengerechnet haben sie eine Fläche von 13 Millionen Quadratkilometern weltweit. Mehr als die Hälfte davon – etwa 8 Millionen Quadratkilometer – findet sich um das Amazonasbecken in Südamerika.

Zoologen und Botaniker meinen, dass weit mehr als die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten in den Regenwäldern beheimatet ist – und dass hier Millionen noch unbekannter Arten durchs Unterholz schleichen. Auf einem Hektar Regenwald krabbeln allein 20.000 Arten von Insekten herum. Da bekommen nicht nur Naturforscher feuchte Augen, auch für die Medizin sind hier noch zahllose Entdeckungen zu machen, naja, wenn wir Glück haben (und schnell genug sind)…

Bäume Vs. Bulldozer

Nach der Phase des Staunens kommt Phase Zwei: Kopfschütteln. Nachdem man sich nämlich einen Eindruck von der Schönheit der Regenwälder verschafft hat, folgt was folgen musste – eine Inventur der Zerstörung. Und das ist wirklich kein schöner Anblick. Die Vereinten Nationen haben berechnet, dass „in ganz Amazonien im Zeitraum von 1990 bis 2010 insgesamt 600.000 Quadratkilometer tropische Regenwälder vernichtet“ wurden. Zum Vergleich: Deutschland hat eine Fläche von 357.000 Quadratkilometern.

"Wenn die Entwaldung in gleicher Geschwindigkeit weitergehen sollte, wird es in 200 Jahren keinen Regenwald mehr geben."

Durchschnittlich werden jedes Jahr 60.000 Quadratkilometer Regenwald gezielt abgeholzt. Um das zu schaffen, muss man alle zwei Minuten eine Fläche von 35 Fußballfeldern zu Kleinholz machen. Bei gleichbleibendem Abholzungstempo stünde in 200 Jahren in diesen Regenwäldern kein einziger Baum mehr. Das zeigt schon, wie wichtig es ist, dass jetzt gehandelt wird. Etwa hundert Jahre dauert es, bis sich einmal abgeholzte Regenwälder wieder erholt haben. Und wenn wir richtig Pech haben, dann erleben wir zusätzlich zum Kahlschlag durch den Menschen noch verheerende Feuer wie die am Amazonas oder in Australien vor Kurzem.

Regenwald im Einkaufwagen

Zum Glück gab es in den letzten Jahren auch Entwicklungen, die Hoffnung machen. Die Wiederaufforstung bestimmter Areale war zum Teil sehr erfolgreich, einige Schutzmaßnahmen und Initiativen greifen, immer größere Teile alter Wälder sind heute geschützt, das Bewusstsein wächst, die Aufmerksamkeit für Hilfsprojekte und NGO’s nimmt zu. Gute Nachrichten!

Womit wir dann auch bei Phase Drei angelangt wären: Handeln. Dazu ist ein Umdenken gefragt. Die Konfliktlinie verläuft nämlich nicht einfach nur zwischen Mensch und Natur, sondern auch zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Organisationen, die oft ganz unterschiedliche Ziele verfolgen. 

„75 Prozent der weltweiten Entwaldung sind auf die Umwandlung von Tropenwald in landwirtschaftliche Nutzflächen zurück zu führen.“ (Dr. Elke Mannigel, OroVerde)

Beispiel: in Brasilien möchte die kürzlich neu ins Amt gekommene Regierung ihre Agrar-Industrie wieder stark ausdehnen. Um Platz für gigantische Monokulturen und Weideflächen zu schaffen, rückt man dem Regenwald mit Kettensägen und Bulldozern zu Leibe. Lobbygruppen und Landwirte feiern das, Umweltorganisationen im In- und Ausland protestieren, während eine Vielzahl indigener Völker buchstäblich um Ihre Existenz fürchtet – und oft nur tatenlos zusehen kann.

„75 Prozent der weltweiten Entwaldung sind auf die Umwandlung von Tropenwald in landwirtschaftliche Nutzflächen zurück zu führen“, erklärt Dr. Elke Mannigel, Sprecherin der Naturschutzorganisation OroVerde. Rund 30 Prozent aller Güter, die auf Kosten des Regenwaldes erzeugt werden – Palmöl, Kakao, Tropenholz, aber Soja für die Tiermast –, landen am Ende auf dem europäischen Markt – und damit auch in unseren Einkaufswagen. Aber müssen Naturschutz und wirtschaftliches Wachstum sich wirklich ausschließen? Könnte man nicht auch Win-Win-Situationen für alle Beteiligten erzeugen? Doch, das geht. Man muss es nur wollen!

Nachhaltigkeit gewinnt

Ein ganz besonderes Projekt, das wirtschaftliches Wachstum für die Menschen vor Ort und den Schutz der Regenwälder miteinander verknüpft, möchte Euch EMERALD BERLIN hier vorstellen. Die deutsche Tropenwaldstiftung OroVerde hat nämlich zusammen mit der NGO Fauna & Flora International eine kühne Idee entwickelt, wie sich der Wohlstand der Menschen des Raja Ampat Archipels vor der Küste West-Papuas in Indonesien ohne die Ausbeutung der bezaubernden Natur sichern lässt. 

Die beiden Inseln Waigeo und Misool des Archipels sind weltweit als Inseln der Paradiesvögel bekannt und beheimaten unzählige seltene Tier- und Pflanzenarten sowie ein einzigartiges Korallenriff. Und wäre es nicht einfach fantastisch, wenn diese letzten Paradiese mit unserer Hilfe gerettet werden könnten? Wollen wir nicht auch in ferner Zukunft noch sehen, wie diese verrückten Paradiesvögel mit ihren schillernd-bunten Federkleidern ihre lustigen Balztänze aufführen?

"Wäre es nicht einfach fantastisch, wenn diese letzten Paradiese mit unserer Hilfe gerettet werden könnten?"

Doch wie könnte man das anstellen? Wie lassen sich Wirtschaft und Waldschutz in diesem Paradies Indonesiens vereinbaren? Antwort: Nur durch echte, rentable Alternativen, die die Abholzung des Waldes nicht nur überflüssig, sondern kontraproduktiv machen. Und die gibt es! OroVerde setzt genau hier an und hilft dabei, marktfähige Produkte der Einheimischen (wie Lebensmittel, hochwertiges Kokosnussöl, Bastmatten, -taschen und -körbe) weiter zu entwickeln und den Regenwald- und Artenschutz systematisch voranzutreiben. Hier hilft OroVerde mit Beratung und Know-How, während die Bewohner der Insel selbst an die Umsetzung gehen.

Das Paradies wartet

Ein besonderes Element des Projektes: nachhaltiger Ökotourismus. Statt den Regenwald auszubeuten, soll er für einen ökologisch verantwortlichen Tourismus nutzbar gemacht werden. So können Regenwald-Liebhaber wie wir auch in vielen Jahren noch mit Einheimischen Tour-Guides durch die endlosen Wälder streifen und diese einzigartige Natur entdecken – und damit sogar aktiv zu ihrem Schutz beitragen! Das dazu geforderte Umdenken ist oft nur ein kleiner Schritt. OroVerde gibt dafür ein Beispiel: „Früheren Vogelhändlern in den Dörfern wird die Alternative geboten, als Vogelführer zu arbeiten. Dadurch haben sie ein Eigeninteresse, die Balzplätze der Paradiesvögel aktiv zu schützen.“

Besonderer Fokus liegt in den Projektregionen auf der Unterstützung lokaler Initiativen und der Kooperation mit Einheimischen, die hier in Indonesien nicht nur in die Planung und Umsetzung einbezogen werden, sondern selbst die Entscheidungsträger sind. So geht echte Nachhaltigkeit!

"Jeder von uns kann die Botschaft weiter tragen und dabei helfen, die Paradiesinseln und ihre einzigartige Artenvielfalt zu bewahren."

Indem ihnen eine starke Stimme gegeben wird, können sie sich zum Beispiel effektiv engagieren, um den Bau von Straßen durch die Paradiesvogel-Wälder, illegale Abholzung oder die Jagd auf geschützte Tiere zu verhindern. Mit diesem inklusiven Modell übernimmt OroVerde eine Pionier-Funktion. Was hier in Indonesien schon funktioniert, könnte bald auch für andere bedrohte Regenwälder weltweit umgesetzt werden.

EMERALD BERLIN ist stolz und glücklich, dass wir in Zusammenarbeit mit OroVerde auf dieses Projekt aufmerksam machen können. Wie immer bist vor allem Du dabei essentiell. Werde Botschafter und hilf uns dabei, die letzten Paradiese der Erde zu bewahren. Die brandneue EMERALD BERLIN x OroVerde-Kollektion findest Du ab sofort in unserem Shop. Weitere Informationen zum Projekt und dessen Hintergründen findet Ihr auf unserer Webseite oder auf https://www.regenwald-schuetzen.org/

Wir danken Euch für Eure Unterstützung!

Der Autor dieses Blog-Artikels ist Marc Dassen. Du möchtest Ihm eine Rückmeldung geben oder hast eine Frage? Schreibe Ihm gerne via marc@emerald-berlin.com.


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