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Februar 16, 2020 5 min. Lesezeit

„Bildung ist für die Jungen Weisheit, für die Alten Ermutigung, für die Armen Reichtum und für die Reichen Schmuck.“

Diogenes von Sinope (griech. Philosoph, 399 – 323 v. Chr.)


Zu arm zum Lernen? Bildungslücke weil Loch im Magen? Wie gravierend sich ökonomische Unterschiede auf die Chancengleichheit von Kindern im Bildungssystem auswirken, zeigen Studien der letzten Jahre. Der Befund: Wer aus einem einkommensschwachen Elternhaus stammt, hat es schwer. Warum das so ist, wie tief die Gräben wirklich sind und was man tun könnte, lest ihr hier.

Dass es in Deutschland Armut gibt, ist eigentlich an sich schon kaum zu ertragen. Schließlich liest man ja so häufig von Deutschland als dem europäischen Exportweltmeister, jährlichen Überschuss-Rekorden bei Steuereinnahmen und hat teilweise das Gefühl, dass einem hier die gebratenen Tauben eigentlich nur so in den Mund fliegen müssten. Wenig tröstlich ist es darum auch, wenn Politiker und Experten von „relativer Armut“ sprechen. Ja, sie ist relativ, klar – aber sie ist doch real. Real genug zumindest, um die Betroffenen in ihrem Leben erheblich einzuschränken.

Bevor wir hier auf den Zusammenhang von Einkommen und Bildung zu sprechen kommen, ein paar Fakten zum Thema Armut in Deutschland, die euch vielleicht neu sind. Als arm gilt, wer pro Monat weniger als 60% des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. Ein armer Deutscher hat demnach aktuell weniger als 1.000€ zur Verfügung. Eine vierköpfige Familie darf nicht unter 2.000€ fallen oder sie gilt ebenfalls als arm. Viele Geringverdiener, Rentner und Co. müssen aber noch mit deutlich weniger „leben“ (Wobei man hier vielleicht von „relativem Leben“ sprechen sollte…)

Armes Deutschland

Laut dem aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung (veröffentlicht: 2017) leben 15,7 Prozent der Erwerbstätigen in Armut oder an der Armutsgrenze. Umgerechnet sind das 13 Millionen Menschen. Jeder zehnte Erwerbstätige ist damit, trotz Arbeit, von Armut bedroht. Lohndumping und Niedriglohnsektor sei Dank! Vor 10 Jahren war es nur jeder Zwanzigste. Wer eine Erklärung für die langen Schlangen vor den Tafeln oder für Pfandflaschen sammelnde Rentner gesucht hat, findet sie hier.

Rechnet man Kinder, Alte und Empfänger von Unterstützungsleistungen mit ein, sind in Deutschland sogar 16 Millionen – also rund jeder Fünfte – von Armut betroffen. Damit wäre also klar, welches Ausmaß das Thema Armut angenommen hat. Und doch bleibt sie zumeist unerkannt. Deutschland versteckt seine Armen recht erfolgreich – in Statistiken oder Sozialwohnungen. Die über 600.000 Menschen, die laut Schätzungen von Sozialverbänden in Deutschland wohnungslos sind, tauchen in kaum einer Statistik überhaupt noch auf.

Relative Armut hin oder her: Wer von etwa 1.000€ im Monat die Miete, Nebenkosten, Strom, die Handyrechnung, das Wlan und sonstige Fixkosten zahlen muss, der hat unter Umständen schon ab Mitte des Monats einen leeren Kühlschrank – oder rote Zahlen auf dem Konto. Horrende Mietpreise machen einem das Leben in manchen Städten zusätzlich schwer.

It’s a hard knock life

Besonders gravierend: 19,7 Prozent aller Kinder leben laut Sozialverbänden in Armut. Mädchen und Jungs, die so aufwachsen müssen, gibt es damit rund 2,7 Millionen in Deutschland. Das ist knapp jedes fünfte Kind. Besonders dramatisch ist die Situation in Bundesländern wie Berlin, Bremen, Hessen oder Sachsen. In Berlin lebt statistisch sogar jedes dritte Kind in einer Familie, die Sozialleistungen bezieht – macht umgerechnet also 173.000 arme Kinder in der Hauptstadt.

Was „relative Armut“ für die Kinder bedeutet, die in armen – oder wie man verniedlichend sagt: „einkommensschwachen“ – Haushalten groß werden, darüber machen sich Organisationen wie das Deutsche Kinderhilfswerk Gedanken: schlechtere Bildungschancen, eine schlechtere Gesundheit dank schlechterer Ernährung, das Gefühl von Scham gegenüber anderen Kindern und Mitschülern, ein Mangel an Selbstbewusstsein – diese und andere Effekte seien zuerst zu erwarten. Frontalunterricht auf leeren Magen? Für viele Kinder ist das Realität. Je schlechter der Start, den ein Kind bei seiner Ausbildung hat, umso größer die späteren Nachteile und umso kleiner die Karriere- und Aufstiegschancen.

Eine europaweite Untersuchung des Deutschen Kinderhilfswerkesfand heraus, dass in kaum einem anderen europäischen Land der Zusammenhang zwischen dem Bildungsstand der Eltern und den Bildungschancen ihrer Kinder so deutlich ist wie in Deutschland – noch schlechter ist die Lage nur in Ländern wie Litauen, Rumänien und Bulgarien. Kinder aus Haushalten mit einem niedrigen Bildungsabschluss haben laut der Studie ein Risiko von 61 Prozent, in Armut aufzuwachsen. Haben die Eltern dagegen einen höheren Bildungsabschluss, fällt das Armutsrisiko auf 6 Prozent.

Die Konsequenzen von Kinderarmut für die Bildungschancen der nächsten Generation hat die Autorin und Zeit-Journalistin Ulrike Meyer-Timpe in ihrem 2008 veröffentlichten Buch Unsere armen Kinder: wie Deutschland seine Zukunft verspieltbeschrieben. Nicht nur sei es aus ihrer Sicht ein Skandal, dass Kinderarmut überhaupt ein Thema sei, auch müsse den politisch Verantwortlichen klar sein, dass arme und abgehängte Kinder zu perspektivlosen Jugendlichen und oft zu arbeitslosen Erwachsenen heranwachsen werden, die sich in reinen sozialen Sprengstoff verwandeln. Andersherum seien großzügige Investitionen in die Bildung der nächsten Generation eine Sache, die sich für den Staat in vielfacher Weise auszahle – und spätestens seit der alarmierenden Pisa-Studie 2001 auch angesagt sei. Sie schreibt in ihrer Monographie:

„Die Bildung armer Kinder wird zur Schicksalsfrage unseres Landes werden. Nur wenn wir ihnen eine Bildung gewähren, die ihren Talenten und Möglichkeiten entspricht, können sie eines Tages ihren Beitrag zur Finanzierung unseres Gemeinwesens leisten. (…) Wenn wir jetzt nicht mit aller Kraft gegen die dramatisch gestiegene Kinderarmut angehen, dann werden wir alle dafür in wenigen Jahren teuer bezahlen. Und unsere eigenen Kinder erst recht.“ (S.278f.)

Starthilfe für kluge Köpfe

Aktuell scheint die Politik das Problem nicht zu erkennen. Die Gräben zwischen arm und reich bleiben tief. Was sich herausgebildet hat, ist eine Art Kastensystem. Kinder, die höhere Bildung anstreben und aufsteigen wollen, müssen sich doppelt anstrengen und schwimmen dabei gegen den Strom. Dabei müsste eigentlich genau das – die Chancengleichheit der Kinder in der Schule – als Barometer für eine gute Bildungspolitik angesehen werden. Schließlich braucht Deutschland angesichts des Fachkräftemangels heute jedes Talent und jeden klugen Kopf.

Um die Konsequenzen von Armut für den Bildungserfolg zu erfassen, braucht es nicht viel Fantasie. Je mehr Einkommen eine Familie zur Verfügung hat, umso wahrscheinlicher, dass die Kinder nicht ohne Frühstück aus dem Haus gehen. Auch können sich betuchtere Eltern für Ihre Kinder eine gute Schule in einer weniger problematischen Gegend aussuchen, ihren Kids alle nötigen Unterrichtsmaterialien mitgeben und wenn nötig auch Nachhilfelehrer rekrutieren. Fast eine Million deutsche Schüler (jeder Elfte!) werden sogar auf Privatschulen geschickt – um auf Nummer sicher zu gehen. Diese und andere Möglichkeiten haben arme Eltern eher selten. Die können ihre Kinder immer häufiger nicht einmal mehr auf Klassenfahrt schicken – weil das Budget es nicht zulässt. Klassenfahrt: 180€. Das Gefühl, nicht dazu zu gehören und Mensch zweiter Klasse zu sein: unbezahlbar.

EMERALD BERLIN findet es deshalb großartig, dass sich das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. dieser vielschichtigen Problematik angenommen hat und jedes Jahr Tausenden Kindern mit einem Schul-Starterpack einen besonders guten Start in die Schullaufbahn ermöglicht. Tausende Schulranzen, voll bis obenhin mit allem, was man im Schulalltag so braucht, werden vom Kinderhilfswerk verteilt an Kinder, die selbst nicht das Geld für eine solche Ausstattung haben. 

Mehr Informationen zu diesem Projekt findet Ihr auf unserer Webseite. In Kooperation mit dem Deutschen Kinderhilfswerke.V. hat EMERALD BERLIN zur Unterstützung dieses Projektes eine eigene Kollektion entworfen, die Ihr wie immer in unserem Shop finden könnt. Wir danken Euch sehr für Euren Support!

Der Autor dieses Blog-Artikels ist Marc Dassen. Du möchtest Ihm eine Rückmeldung geben oder hast eine Frage? Schreibe Ihm gerne via marc@emerald-berlin.com.


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