September 20, 2019 7 min. Lesezeit

Heute haben wir einen ganz besonderen Artikel für euch. Er kommt von meiner Freundin Oum, die ihr auch in einem kleinen Interview, gemeinsam mit mir, im aller ersten Beitrag auf diesem Blog, seht.

Oum lebt seit ein paar Monaten als „Digital Nomade“ – und hat damit ein Arbeitsmodell gewählt, welches es ihr gestattet von überall auf der Welt zu arbeiten. Ganz ohne festen Wohnsitz.

Für viele von uns ist es eine Wunschvorstellung Arbeiten und Reisen mit freier Zeiteinteilung zu verbinden. Muss es aber gar nicht unbedingt sein. In diesem Artikel verrät sie, wie sie den Schritt gemacht hat und was ihre learnings daraus waren. Vielleicht folgt ihr ja der eine oder andere in diesen wirklich beneidenswerten Lifestyle. Schreibt uns gerne, wenn der Artikel für euch hilfreich war oder ihr weitere Fragen habt.

Der Artikel ist im Original auf Englisch verfasst und stammt aus dem August 2018. Eine kleine Zeitreise also.

Wenn ihr mehr von ihr lesen möchtet (Englisch), dann könnt ihr das gerne jederzeit auf Medium tun.
Ihren Blog findet ihr hier: https://medium.com/@oumniaek

Im April traf ich die lebensverändernde Entscheidung, ein digitaler Nomade zu werden.

Seitdem sind 4 Monate vergangen und ich erhalte ständig Fragen und Kommentare von Freunden, Familie und Followern über diesen neuen Lebensstil. Also dachte ich, ich teile meine Erfahrungen mit euch in einem Blogpost. – Ich habe ihn für die Skeptiker aber auch für die Interessierten unter euch geschrieben und hoffe, dass er einige von inspiriert.

Was?
Was ist der Lebensstil eines digitalen Nomaden?
Was machen digitale Nomaden?

Ich finde diese Definition von Investopedia sehr treffend:

„Digitale Nomaden sind Menschen, die ortsunabhängig sind und Technologie zur Erfüllung ihrer Aufgaben einsetzen.“

Ein digitaler Nomade zu sein bedeutet, dass Sie von überall auf der Welt an Ihrem Computer arbeiten, weil Sie dafür nicht in einem Büro sein müssen! Wie cool!

Warum?
Warum also ein digitaler Nomade werden?

Lass uns ein wenig darüber sprechen, warum ich die Entscheidung getroffen habe, ein Nomade bzw. ein digitaler Nomade zu werden?

Nach einem Jahr in Casablanca war ich mir sicher, dass Marokko nicht der Ort ist, an dem ich gerne leben würde. Ich traf erstaunliche Menschen und hatte ein wundervolles Jahr als Yogalehrerin. Was mir fehlte war jedoch die Freiheit. Insbesondere fehlte mir eine offene Gesellschaft und ein verrückteres Ambiente („Ich brauche mehr Verrücktheit“), veganes Essen und Yogakurse.

Nachdem ich ein paar Monate auf Bali verbracht hatte, fühlte ich mich distanziert. Von einem physischen Zuhause, von materiellem Besitz.

Ich fühlte, dass es Zeit für mich war, zu versuchen, ein Nomade zu sein. Lustigerweise repräsentiert mein allererstes Tattoo einen Derwisch, einen ewigen Wanderer ohne Besitz, ohne Bindung.

Ich wusste, dass ich es nicht so extrem angehen würde, aber mit einem ähnlichen Grundgedanken.

Ich wollte damit experimentieren ein ortsunabhängiger Freelancer zu sein. Zuvor arbeitete ich mehrere Jahre in einem Büro, und nachdem ich ein Jahr lang ausschließlich Yoga unterrichtet hatte, wollte ich zu einer für mich ansprechenderen Aktivität zurückkehren, war aber nicht begeistert von der Idee, in eine Box zurückzukehren.

Es machte also Sinn, ein Nomade zu werden.

Wie?
Wie werde ich ein digitaler Nomade? Wo kann man als digitaler Nomade anfangen? Und wie verdienen digitale Nomaden Geld?

Es ist eigentlich schockierend einfach!

#1 Wissen, wie du Geld verdienen willst.

Sobald ich wusste, dass ich standortunabhängig sein will, musste ich einen Weg finden, Geld zu verdienen, ohne physisch in einem Büro sein zu müssen. Freelancen erschien mir perfekt.

Als Freelancer kann man oft ortsunabhängig arbeite. Sie sind der Meister Ihrer Zeit und haben dennoch den Vorteil, mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, die ein höheres Budget haben als Einzelpersonen.

#2 Adminisstratives

Es ist wichtig, sich eine formale Struktur für seine Tätigkeit aufzubauen. Im Grunde genommen geht es darum, sich als Freelancer zu registrieren, um weiterhin Steuern zahlen zu können (es ist mir wichtig, zur Gesellschaft beizutragen!).

Wichtig ist auch, die beste Bank für jemanden zu finden, der im Ausland lebt und viel umzieht.

Ich habe mich für N26 entschieden. Eine reine Online-Bank, mit minimalen Gebühren die weltweit funktioniert. Ihre App ist wirklich erstaunlich gut.

#3 Suche dir Einnahmequellen.

Das ist der schwierigste Teil – Kunden finden.
Es kann einige Zeit dauern, aber wenn du beharlich bist, wirst du sie finden. Es gibt eine Fülle von Unternehmen, die bereit sind, Freelancer einzustellen, es geht wirklich nur darum, sie zu finden!

Gib dir Zeit:

Ich fing an, nach Kunden zu suchen, bevor ich das Haus meiner Eltern verließ. Auf diese Weise hatte ich keine Kosten und konnte es mir leisten, keinen Job zu haben.

Diese Übergangszeit war entscheidend: Sie erlaubte es mir, Kunden ohne den Druck der am Ende des Monats fälligen Miete zu suchen.

Wenn du kannst, gönne dir eine solche Übergangszeit. Die Suche nach Kunden in dieser komfortablen Situation wird die Art und Weise verändern, wie du mit möglichen Kunden kommunizierst, dich präsentierst und damit auch die Ergebnisse deiner Suche.

Die richtige Einstellung:

Eine Vorschlag zur Denkweise:
Bei der Suche nach Kunden oder bei geldbezogenen Entscheidungen ist die Denkweise entscheidend. Für mich ist es super wichtig, diese Entscheidungen zu treffen, wenn ich in einem angenehmen Geisteszustand bin. Wenn ich mich mit mir zufrieden bin. Ich habe einmal aus Angst eine Entscheidung getroffen: Ich habe eine Yogastunde viel zu günstig angeboten. Der Kunde war richtig überrascht und ich war sauer.

Von diesem Tag an habe ich aufgehört das so z tun. Wenn jemand will, dass ich eine solche Entscheidung treffe, und ich nicht in der richtigen Stimmung bin, bitte ich um mehr Zeit. Ich meditiere oder gehe spazieren, bevor ich die Entscheidung treffe.

Ich fühle, dass danach mein Verstand viel klarer ist, und ich treffe Entscheidungen, die meinen Selbstwert widerspiegeln. Basierend auf Liebe und Selbstachtung.

Nutze dein bestehendes Netzwerk und erweitere es.

Viele Leute fragen mich, wie ich meinen ersten Kunden gefunden habe.

Was ich sage, ist „Netzwerk“.

Wenn du Aufmerksamkeit erregen willst, sprich darüber: Sag, dass du diese neue Karriere/Aktivität/Fähigkeiten hast und erzähle es jedem den du kennst. Das Netzwerk ist wirklich der Schlüssel zum Erfolg.

Erzähle deinen Freunden und deiner Familie von deinem Plan und kontaktiere potenzielle Kunden auf Linkedin.

Schrei es einfach raus!

Der Beitritt zu einem Freelancer-Netzwerk hilft auch – vielleicht triffst du einen Designer, der einen Texter für seinen Kunden benötigt oder umgekehrt! Die Leute teilen gerne ihre Tipps und Tricks zur Kundenakquise und was ihnen dabei wirklich Zeit spart.

Du kannst dich auch für Plattformen wie bspw. Upwork bewerben. Meine persönliche Erfahrung zeigte mir jedoch, dass das nicht die beste Idee für den Einsstieg war. Nach ein paar Wochen (2) schlossen sie mein Konto und warfen mich von der Plattform. Nachdem ich online etwas recherchiert habe, fand ich raus, dass die Plattform Freelancer entließ, die zu lange keine Kunden finden (in meinem Fall innerhalb von 2 Wochen), weil das ihre Statistiken beeinträchtigte. Kapitalismus…. Probiere es aus wenn du möchtest, aber sei vorsichtig, dass dir das nicht auch passiert.

Parallel dazu habe ich am Aufbau eines Portfolios gearbeitet. Als Texter muss ich den Leuten Beispiele meiner Arbeit zeigen. Also habe ich alle Artikel, die ich für mich selbst und für andere Publikationen geschrieben habe, gesammelt und auf meiner Website hochgeladen. Den Link dazu füge ich in jeder Bewerbung an, die ich verschicke.

Zusätzlich versuche ich als Texter bei großen Publikationen veröffentlicht zu werden, da dies für mich eine gute Möglichkeit ist, die Qualität meiner Arbeit zu präsentieren.

Es geht darum, laut und mutig zu sein.

#4 Ziele festlegen und eine Testphase einplanen.

Wie bei jeder lebensverändernden Entscheidung gebe ich mir gerne eine Zeitleiste und ein Ziel. So was wie: „Bis zum Datum X werde ich das erreicht haben“. Das Erreichen oder nicht Erreichen dieses Ziels zeigt mir, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe und erlaubt es mir, die nächsten Schritte zu planen.

Nehmen wir an, du hast dich entschieden, ein Restaurant zu eröffnen. Dann kannst du dir z.B. folgende KPIs (Ziele) setzen: Wenn du nach einem Jahr nicht die Gewinnschwelle erreicht hast, ist das das Signal, dass etwas mit deinem Businessplan nicht stimmt. Dieser KPI wird dir helfen, nach deiner Testphase die richtige Entscheidung zu treffen – das Projekt fortzusetzen, zu ändern oder fallen zu lassen.

Ich habe mir selbst eine 6-monatige Testphase gegeben. Während dieser Zeit wusste ich genau, wie viel ich zum Leben brauchen werde und woher dieses Geld kommen wird (Plan A ist, dass dieses Geld aus meiner neuen Tätigkeit kommt).

#5 Definiere dein Ziel. Deine Meilensteine.

Nun zum lustigen Teil! Finde dein Ziel.

Während meiner Vorbereitungszeit (Aufenthalt bei meinen Eltern, Kundensuche) habe ich Reisen nach Lissabon und Berlin geplant. Ich hatte gehört, dass das besonders gute Städte für Nomaden sind: guter Lebensstil, niedrige Kosten, schönes Wetter (im Sommer), Technologieszene und Kooperationsflächen.

Ich liebte den Vibe in Berlin, also habe ich mich für Berlin entschieden.

Wenn du den Ort mit dem du beginnen willst nicht einfach besuchen kannst oder nach inspiration für neue Orte suchst, sind Gruppen wie “Digital Nomads around the world” großartig, zum recherchieren.

Ich habe zusätzlich einfach gegoogelt, um die nomadenfreundlichsten Orte zu finden (Städte mit gutem WLAN, gutem Kaffee, einfacher Einrichtung, niedrigen Kosten). Lissabon und Berlin sind sehr einfache Entscheidungen. Bali steht neben Thailand und, ob man es glaubt oder nicht, Medellin (Kolumbien) ganz oben auf der Liste.

Wie habe ich mich in Berlin niedergelassen?

Ich ging den einfachen Weg: Ich habe mich für ein Co-Living entschieden. Die Suche nach einer Wohnung in Berlin ist ein Alptraum und es kann mehrere Monate dauern, bis man ein Zimmer in einer WG findet.

Co-Livings sind Unternehmen, die sich auf Nomaden spezialisiert haben. Sie bieten voll ausgestattete Unterkünfte (inkl. WLAN). Alles, was ich tun musste, war, den Vertrag zu unterschreiben und das Geld zu überweisen.

Das Einzige, was beim Co-Livings wirklich von Nachteil ist, ist, dass sie teurer sind als ein normales Zimmer. Wenn du also regulär nach einem Zimmer suchst, dann schaue doch mal nach Wohnungsgruppen in den jeweiligen Städten.

Wenn dich Co-living interessiert, kann ich dir diesen Forbes Artikel empfehlen, um die Grundlagen zu verstehen.

Meine Reise als digitaler Nomade hat gerade erst begonnen.

Ich bin immer noch mit meinem ersten Meilenstein beschäftigt.

Für meinen Kopf ist es nach wie vor schwer nachzuvollziehen, dass die Orte an denen ich bin nie ein wirkliches Zuhause sind und dass es die Idee ist, dass wir in Bewegung bleiben. </div> <div class=


Schreiben Sie einen Kommentar

Kommentare werden vor der Veröffentlichung genehmigt.


Vollständigen Artikel anzeigen

EMERALD Berlin in conversation with Caro Kotke and Stephanie Diederichsen
EMERALD Berlin in Konversation mit Caro Kotke und Stephanie Diederichsen

September 09, 2020 4 min. Lesezeit

How can I donate hair? Hair donation – a piece of me for you
Wie kann ich Haare spenden? Haarspende – ein Stück von mir für dich

September 04, 2020 6 min. Lesezeit

Emerald Berlin in conversation with Jamina1404
EMERALD BERLIN im Gespräch with Jamina1404

August 26, 2020 2 min. Lesezeit

Abonniere unseren Newsletter

German