August 16, 2020 6 min. Lesezeit

Regelmäßig machen auf Social Media die süßesten Tierbilder die Runde, die wir uns vorstellen können. Junge Hunde, Kätzchen, Kaninchen und viele andere Tiere sind einfach unglaublich niedlich – ein Charme, dem sich die wenigsten Menschen entziehen können. Andere Tiere haben vielleicht nicht diesen Cuteness-Faktor, interessant und faszinierend in ihrem Lebensraum sind sie aber allemal. Tiere sprechen unsere Emotionen an, wir fühlen uns mit ihnen verbunden, denn wir sind alle Geschöpfe der Erde.

Gerade in Säugetieren erkennen wir uns oft wieder. Mit ihrer Lebensweise und ihren Gewohnheiten halten sie uns aber auch den Spiegel vor: Während wir Menschen manchmal reichlich kompliziert denken, zeigen sie uns mit ihrem Verhalten das Wesentliche: essen, schlafen, soziale Kontakte pflegen, Partnersuche, die Sonne aufs Fell scheinen lassen. Von dieser Einfachheit und Sorglosigkeit wünschen wir uns oft ein bisschen mehr im Leben!

Mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede

Und bei allen Unterschieden sind wir uns doch auch erstaunlich ähnlich. Das gilt nicht nur für Menschenaffen, unsere nächsten Verwandten im Tierreich, sondern auch für andere Tiere. Viele sind sozial organisiert, leben also in Familien oder festen Gruppen. Sie suchen und finden Verbündete für besondere Aufgaben, sind in der Lage, Werkzeuge wie Steine oder Stöcke zu benutzen, empfinden Schmerz und Trauer. Mit Menschenaffen teilen wir über 90 Prozent unseres Erbguts, mit anderen Säugern immerhin etwa 80 Prozent. Kein Wunder, dass viele Menschen fühlen, dass die Gemeinsamkeiten die Unterschiede bei weitem überwiegen.

Der gemeinsame Weg von Mensch und Tier

Mensch und Tier haben eine lange gemeinsame Geschichte. Während Menschen vermutlich schon sehr früh in der Menschheitsgeschichte Tiere als Beute jagten, waren Hunde ihre ersten Haustiere. Noch bevor der Mensch sesshaft wurde, lebten Hunde, die sich aus nach und nach gezähmten Wölfen entwickelten, eng mit den nomadisch lebenden Menschen zusammen. Sie fraßen die Abfälle, schützten die Siedlungen vor Angreifern und halfen auf der Jagd. Nach und nach folgten andere Haustiere wie Rinder, Ziegen und Pferde.

Über viele Jahrhunderte hatten Tiere feste Aufgaben im Dienste des Menschen. Pferde trugen Reiter und zogen Kutschen, Hunde bewachten den Hof und gingen mit auf die Jagd, Katzen hielten die Mäuse fern. Solche Tierberufe gibt es auch heute noch – beim Zoll oder als Hütehunde beispielsweise –, die meisten Tiere, die im Dienste des Menschen Aufgaben verrichten, haben jedoch heute vor allem soziale Aufgaben. Sie sind Therapietiere für Kinder, helfen Demenzkranken bei der Biografiearbeit oder begleiten Blinde. Tiere sind damit heute eher Sozialpartner als Arbeitstiere. Wir lieben unsere Haustiere über alles, die Tiere können Partner- oder Kinderersatz sein, sie helfen gegen Einsamkeit oder bringen ihre Menschen nach überstandenen Krankheiten zurück in ihren Alltag.

Doch Haustiere haben auch jenseits von Krisenzeiten eine positive Wirkung auf ihre Menschen. Wir gehen mit ihnen bei Wind und Wetter raus, genießen Streicheleinheiten, Kinder lernen wichtige soziale Kompetenzen. 34,3 Millionen Haustiere gab es im Jahr 2019 in Deutschland, die meisten davon waren Katzen (14,7 Millionen) und Hunde (10,1 Millionen).

Auch süß: Lämmer, Kälber, Ferkel

Doch das ist natürlich nicht alles an Tieren. Legen wir ein paar weitere Zahlen daneben: Neben Haustieren gibt es auch noch sogenannte Nutztiere. Sie sind Lieferanten für Fleisch, Milch, Eier, Leder und Wolle. In den Jahren 2019 bzw. 2020 hielten landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland 25,4 Millionen Schweine und 11,4 Millionen Rinder. Dazu kamen 1,6 Millionen Schafe und 42 Millionen Legehennen.

Für viele Menschen gibt es keinen begründbaren Unterschied zwischen Haus- und Nutztieren. Für sie ist es völlig logisch, dass ihre Tierliebe für alle Arten gilt und dies auch durch ihre Ernährung zu leben. Tiere essen? Das kommt für Veganerinnen und Veganer nicht in Frage. Rund eine Million Menschen in Deutschland ernähren sich ohne tierische Produkte, also auch ohne Produkte, die Tiere unfreiwillig hergegeben haben wie Eier oder Honig. Viele meiden auch Leder und Wolle. Täglich kommen schätzungsweise 200 neue Veganerinnen und Veganer hinzu. Noch schneller wächst die Gruppe der Vegetarier mit etwa 2.000 neuen Personen täglich.

Gute Gründe für eine vegane Lebensweise

Eine vegane Lebensweise hat viele Vorteile: Die Ernährung ohne tierische Produkte ist gut fürs Klima. Durch die verringerten CO2-Emissionen bei der Produktion pflanzlicher Nahrung ist er einer der größten Hebel, um etwas für den Klimaschutz zu erreichen. Gut für die Gesundheit ist eine ausgewogene pflanzliche Ernährung nach allem, was wir wissen, auch. Ein wesentliches Argument für eine vegane Lebensweise ist für viele Veganerinnen und Veganer aber eben auch der Tierschutz. Menschen dürfen sich nicht über die Tiere stellen, nur um sie zu essen – ein Argument, das sich auch philosophisch und religiös begründen lasst.

Tiere sind keine Sachen

In Deutschland sind Tiere auch rechtlich bis zu einem gewissen Punkt geschützt. Seit 2002 ist Tierschutz im Grundgesetz verankert. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) besagt, dass Tiere keine Sachen sind: „Tiere sind keine Sachen. Sie werden durch besondere Gesetze geschützt.“ Allerdings heißt es weiter: „Auf sie sind die für Sachen geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden, soweit nicht etwas anderes bestimmt ist.“ Im rechtlichen Sinne werden Tiere damit also doch wie Sachen behandelt, wenn es keine speziellen anderen Vorschriften gibt. Seit 1972 gilt das Tierschutzgesetz mit dem zentralen Grundsatz: „Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ Das gilt für private Tierhalter ebenso wie für die Nutztierhaltung – und genau diese Vorschriften, die die Einzelheiten zur Züchtung, Haltung, medizinischen Behandlung, den Transport und die Schlachtung von Tieren regeln, sind für viele Menschen nicht akzeptabel.

Vegan werden

Sie ziehen als logische Konsequenz daraus: eine vegane Lebensweise. Zwar haben die Kaufentscheidungen einer einzigen Person nur eine geringe Auswirkung auf die Nachfrage und Angebot bei Fleisch und Fleischprodukten. Doch alle Veganerinnen und Veganer gemeinsam können etwas ausrichten. Das ist auch in den Unternehmen spürbar, die jahrelang auf Fleisch gesetzt haben und nun vegane Produkte anbieten.

Menschen, die den Schritt Richtung vegan bereits gemacht haben, geben ihr Wissen in der Regel gern weiter. Wenn du überlegst, deine Ernährung auf vegan umzustellen, such dir in deinem Umfeld oder online Menschen, die dich bei deinem Vorhaben unterstützen.

Der Umstieg: schrittweise oder komplett

Für manche hat sich die Entweder-oder-Methode bewährt: Ihr Beschluss steht fest und sie ziehen den Wechsel sofort konsequent durch. Andere setzen lieber auf einen schrittweisen Umstieg. Das ist eine Typfrage – es gibt nicht die eine richtige Herangehensweise. Wichtig: Setz dich nicht unter Druck. Jede einzelne Mahlzeit ohne Fleisch hilft! Du kannst zum Beispiel erstmal einen veganen Tag in der Woche einlegen, vielleicht gemeinsam mit Freunden. So kannst du zunächst alle nichtveganen Vorräte aufbrauchen und anschließend Veganes nachkaufen. Und du kannst auch nichtvegane Lebensmittel festlegen, auf die du erstmal nicht verzichten willst. Es ist ganz egal, ob das ein Fleischgericht, dein Latte mit Kuhmilch oder die legendären Eierpfannkuchen deiner Omi sind!

Erstmal Vegetarier werden

Viele Leute, die zuvor viel Fleisch gegessen haben, sind zunächst Vegetarier geworden. Erst später haben sie dann auch Milchprodukte und Eier weggelassen. Auch hier gilt: Jeder Schritt zählt!

Probiere dich durch das Angebot

Deutschland ist Veggie-Hochburg, da macht es viel Spaß, vegane Produkte auszuprobieren. Der Vegan-Markt boomt, es gibt hierzulande mehr neue vegane Produkte als in jedem anderen europäischen Land. 15 Prozent der neuen veganen Produkte weltweit kamen zwischen 2017 und 2018 aus Deutschland. Das macht es vegan lebenden Menschen einfacher, ihre Ernährung abwechslungsreich zu gestalten und auch nicht immer alles komplett selbst kochen zu müssen. Das ist eine Erleichterung beim Kochen – und macht einfach Spaß.

Neue Liebe zum Essen

Viele Menschen kommen über ihre vegane Lebensweise auch zu einem bewussteren Umgang mit Lebensmitteln. Wer regelmäßig unterwegs ist oder mit Menschen zusammenlebt, die viel Fleisch essen, muss ein bisschen planen, was als Nächstes auf den Tisch kommt. Cooler Nebeneffekt: größere Wertschätzung für Lebensmittel. Viele Newbies berichten, dass sie bewusster einkaufen, neue Gerichte und bisher unbekannte Gemüse- und Obstsorten für sich entdeckt haben und weniger wegschmeißen.

Hör auf deinen Körper

Viele Veganer erleben zu Beginn ihrer Ernährungsumstellung einen Energieschub. Sie fühlen sich gestärkt und elanvoll. Wenn du dich stattdessen schlapp und hungrig fühlst, fehlt dir vielleicht etwas. Lass dich beraten! Sprich deine Entscheidung auch bei deiner Ärztin oder bei deinem Arzt an und lass bei Gelegenheit checken, ob du genug Eisen und Vitamine hast. Typische Baustellen sind neben Eisen auch Vitamin B12, Jod, Zink, Calcium, bestimmte Fettsäuren und Proteine. Informiere dich auf jeden Fall und hol dir eventuell Unterstützung, wenn du deine Ernährung planst.

Mit anderen darüber reden

Nach dem Motto: „Tu Gutes und rede drüber“ kannst du vielleicht noch mehr Menschen dafür sensibilisieren, dass auch sie mit ihrer Ernährung etwas für den Tierschutz tun können. Erkläre deine Entscheidung und deine Motivation ruhig, statt zu missionieren oder Vorwürfe zu machen. Manche Leute sind einfach skeptisch. Vielleicht hast du Lust, sie mal zu bekochen? Liebe geht fast immer durch den Magen – und Liebe gewinnt immer. <3

Lass dich inspirieren

Wenn du Fragen hast oder Tipps für bestimmte Gelegenheiten suchst (Beispiele: vegan auf Reisen, auf Grillpartys, skeptische Verwandte ...), gibt es online viele Infos, Ressourcen und Ideen rund ums Thema. Auch auf dem Buchmarkt erscheinen ständig neue Vegan-Kochbücher und -ratgeber. Hol dir Rat und Inspiration – gemeinsam macht es einfach noch mehr Spaß!

Viele Ideen und Infos findest du zum Beispiel bei Caro von @itscaroo. Die Mannheimerin war schon länger Vegetarierin, als sie schließlich auch Milch, Eier und Co. von ihrem Speiseplan strich. Vegane Lebensweise ist ihre Mission, weshalb sie mit @foodbyitscaroo sogar einen eigenen Channel rund ums Thema Essen hat. Gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbüro e. V. setzt sie Tierschutz auf die Agenda.

Die Autorin dieses Blog-Artikels ist Katharina Frier-Obad. Du möchtest ihr eine Rückmeldung geben oder hast eine Frage? Schreibe ihr gern hier einen Kommentar.


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