Juli 05, 2020 4 min. Lesezeit

Lieber Oliver, lieber David, Voguing ist ein Tanzstil der Schwarzen und lateinamerikanischen LGBTQ+ Community in New York. Weißt du noch, wann du zum ersten Mal von Voguing gehört hast? Was hat dich fasziniert? 

David: Ich habe 2009 zum ersten mal von Voguing gehört, weil ich als House Tänzer die Underground Community kennenlernen durfte und wir ca. die gleiche Musik gehört haben. 2016 war ich das erste mal bei einen Ball jedoch nur als Zuschauer.

Oliver: Ich habe das erste Mal von Voguing gehört, als ich David kennenlernte und er mir von der Community erzählte. Letztes Jahr im Mai war ich dann das erste Mal auf einem Voguing Ball, der mich total fasziniert hat. Besonders die Menschen beim Event, die so unglaublich positiv sind und die Community, die sich stark supportet, haben mich beeindruckt. Schnell war mir klar, dass ich auch so ein besonderes Event auf die Beine stellen möchte, um diese positive Energie meinen Freunden und meinem ganzen Netzwerk zu teilen. Gesagt, getan - den ersten Charity Voguing-Ball zum Thema „Pride“ haben David und ich im Juli 2019 veranstaltet.

 

Heute organisierst du Voguing-Events, zum Beispiel den Superhero Ball am 24. Juli 2020, der am CSD-Wochenende in Berlin stattfindet. Wie kam es dazu?

David: Die Idee hinter den Superhero Ball ist der support und die Aufmerksamkeit auf minderheiten in der LGBTIQ+ und Nonbinäre Community. Wir haben alle eine Superpower und die können wir nutzen und auf uns aufmerksam zumachen.

Oliver: Wir haben schon im vergangenen Jahr, anlässlich des CSDs, einen Charity-Ball zum Thema „Pride“ veranstaltet, der sehr gut aufgenommen worden ist. Es war unser allererster Ball, den wir veranstaltet haben und hatten direkt über 1000 Gäste da. Das war für uns eine ganz besondere Veranstaltung, denn wir konnten hiermit unsere Ziele umsetzen, auf den CSD und das Thema „Pride“ aufmerksam machen und die zuvor schon angesprochene positive Energie an unsere Freunde und Bekannte weitergeben. Dieses Jahr wollten wir wieder einen Ball zum Pride-Month veranstalten. Diesmal zum Thema „Superheroes“, da in jedem von uns eine Superkraft steckt und wir den Alltagshelden danken wollen. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass jeder eine Power in sich hat, aber auch Alltagshelden unserer Zeit wie z.B. Krankenschwestern, Pfleger, Paketzusteller usw. wertschätzen, die tagtäglich dafür sorgen, dass es uns an nichts fehlt geht. Auch Stars, die uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind oder auch die Comic-Helden, die natürlich auch Superhelden sind und so manche Typisierungen verkörpern, wollten wir nicht außen vor lassen.

 

Voguing ist Teil der Ballroom Culture. Von New York fand sie ihren Weg in andere Länder. Gibt es regionale Unterschiede? Was unterscheidet zum Beispiel einen Ball in Deutschland von einem in Skandinavien oder Südamerika?

David: In der Regel verläuft ein Ball immer gleich: Dj, Jury, Mc/Host, Runway, Teilnehmer. Ich persönlich finde die Tänzer in Skandinavien stärker in New Way, weil sie dort sehr diszipliniert sind und sich fleißig drehen. In Südamerika ist die Stimmung und Energie größer als in Deutschland weil die Performer sehr musikalisch sind. Deutschland ist gerade dabei zuwachsen und stärker zu werden, weil auch hier das Interesse größer wird.

 

Bei den Voguing Balls gibt es verschiedene Kategorien, zum Beispiel Voguing Performance, Runway oder Best Dressed. Hast du eine Lieblingskategorie? Und wenn ja, warum?

David: Meine Lieblingsskategorie ist OLD WAY, ich finde saubere Linien in einer Performance sehr wichtig und da OLD WAY die älteste Kategorie in der Ballroom Szene ist gefällt mir umso mehr daran die Entwickelung der Performance zusehen.

Oliver: Meine Lieblingskategorie ist definitiv „Runway“, da hier besonders Wert auf Mode und Brands gelegt wird und das natürlich etwas ist, was mich schon seit Jahren begleitet und mich interessiert. Die Community interpretiert dann diese Kollektionen oder auch das Thema ihren Look. Dazu einen ganz besonderen Runway Gang-Stil, der die Pieces noch einmal auf eine ganz andere Weise in Szene setzt. Großartig!

 

Die Teilnehmenden im Ballroom treten ja gegeneinander an. Trotzdem sind die Events geprägt von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung. Was ist das Geheimrezept dafür?

David: Balls sind dafür da sich auch auf das leben vorzubereiten und wenn es an einen tag nicht so läuft wie geplant, trainiert man umso mehr dafür besser zu werden. Es entstehen Freundschaften und Familien im Ballroom und daher kommt auch der Support und Respekt für einander.

 

Was empfiehlst du Menschen, die sich für Voguing interessieren?

Oliver: Ich empfehle den Menschen, die sich für Voguing interessieren sich mit der History of Ballroom auseinander zu setzen. Schaut euch dazu „Paris is Burning“ an. Ballroom ist sehr besonders, da die Community viele Werte und Normen hat, die wir uns aneignen sollten: Sie sind offen für LGBTQIA+ und akzeptieren Menschen wie sie sind, frei von Gender oder anderen Äußerlichkeiten. Die Ballroom Community ist eine sehr sensible Community, die Menschen einen Safe Space bietet und für viele die Familie ist, die sie nie hatten. Demnach sollte man ihre Regeln akzeptieren und wertschätzen, denn sie ist nicht nur ein Trend, sie ist eine Lebensart.


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