Oktober 30, 2020 4 min. Lesezeit

Hallo Jan! Schön, dass du dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst. Wie man anhand deines Instagram Accounts (@jan.cm) schnell erkennt, ist Sport und ein gesunder, ausgewogener Lebensstil ein fester Bestandteil deines Lebens, den du auch deinen Followern vermittelst. Was liebst du daran und was motiviert dich am Ball zu bleiben?

Für mich fühlt es sich gar nicht mehr danach an am Ball zu bleiben, weil dieser Lebensstil, wie er hier so schön beschrieben wird, einfach ich bin. Ich habe diese Dinge einfach so fest in mein Leben integriert, dass sie eine eigene Dynamik erzeugen und die Motivation dann von ganz alleine und meistens auch beim Tun kommt.

Gibt es einen bestimmten Sport, der deine Kindheit besonders geprägt hat? Wenn ja, wie bist du dazu gekommen?

Das kann man schon sagen, Ja. Mit sechs Jahren habe ich begonnen Fußball zu spielen und das bis zu meinem 26. Lebensjahr. Demnach war Fußball ein und in manchen Lebensphasen auch der größte und wichtigste Faktor in meinem Leben. Wie ich dazu gekommen bin? Da müsst ihr meine Eltern fragen… :)

Warum findest du es wichtig, dass Kinder die Möglichkeit gegeben wird Sport zu treiben?

Ich denke Sport verbindet, kann Grenzen und Klassen auflösen, hat einen positiven Impact auf Körper und Geist — und ist in meinen Augen ein entscheidender Faktor in der Entwicklung von Kindern. Sei bekommen, ganz egal in welcher Sportart, die Möglichkeit sich selbst für etwas oder dagegen zu entscheiden, ihren Interessen und ihrer Leidenschaft nachzugehen, oder sie erst mal zu entdecken, Freunde zu finden, sich selbst herauszufordern und zu verbessern — einen eigenen Antrieb zu entwickeln.

Du hast dich für ein Projekt mit Kindern in Südafrika entschieden? Gibt es dazu einen persönlichen Hintergrund, hat es eine besondere Bedeutung für dich?

Es müsste keinen persönlichen Hintergrund geben, um sich für dieses Projekt zu entscheiden bzw. ein „fremdes“ Projekt zu unterstützen. Ich denke das kann man immer tun! In diesem Fall gibt es allerdings Hintergründe… zum einen weil ich die Gesichter hinter dem Projekt persönlich kenne und ich dadurch einen direkten Bezug zu Young Bafana habe. Zum Anderen liebe ich Fussball und da viel es mir leicht, mich für dieses Projekt zu engagieren. Ein weiterer sehr wichtiger Faktor ist der Ort, an dem das Projekt umgesetzt wird. Ich denke wir alle wissen über die südafrikanische Geschichte bescheid und auch welche schwere Bürde dieses Land mit sich trägt. Zu sehen, dass es dieses Projekt schafft, Kinder aus schwierigen Umständen und Herkünften eine Zukunft im Sport zu geben, ist einfach toll! Auf dem Fussballplatz herrscht Chancengleichheit und jeder findet einen Platz, ich denke daraus kann man einiges ziehen…

Als Kind in einem südafrikanischen Township (Armutsviertel) aufzuwachsen ist für uns als wohlbehütete Westeuropäer nur schwer unvorstellbar. Gewalt und Drogen stehen an der Tagesordnung, eine Aussicht auf Besserung oft nicht in Sicht. Inwiefern kann Sport das Leben dieser Kinder zu einem gewissen Teil verbessern und was können sie dabei lernen?

Wie eben schon angesprochen bietet der Sport den Kindern die Möglichkeit genau aus diesen Umständen und Situationen auszubrechen. Sie lernen einen neuen Fokus zu finden, etwas regelmäßig auszuüben, Verantwortung zu übernehmen, sich für sein Team einzusetzen! Wenn sie es schaffen zu begreifen das der Sport eine Chance ist aus diesen Strukturen herauszukommen kann das durchaus eine Aussicht auf Besserung in ihrem Leben bedeuten.

Wenn wir über Perspektiven für Kinder und Jugendliche sprechen, ist der Zugang zu Bildung oft ein großer Faktor. Was macht für dich eine gute Schulausbildung aus und was würdest du am aktuellen Schulsystem ändern?

Über diese Frage könnte man vermutlich einen ganzen Vortrag halten, aber gut ich versuche es mit wenigen Worten zu beantworten…
Bildung findet für mich nicht nur in der Schule statt, sondern überall! Wir können, egal wo wir sind, mit wem wir uns unterhalten, was wir beobachten, etwas lernen — dafür reicht oft schon das Leben. Das Schulsystem sehe ich mittlerweile etwas kritisch und überholt (ich beziehe mich jetzt auf das deutsche Schulsystem). Mir fehlt der Bezug zu aktuellen Themen und Entwicklungen, aber auch Herausforderungen. Kinder müssen früh lernen eine eigene Wertestruktur zu entwickeln, das passiert natürlich zum großen Teil zu Hause, aber auch in der Schule. Wenn das Schulsystem nicht aktuelle „Trends“ wie einen gesünderen, ausgewogeneren Lebensstil mit mehr Bewegung und Sport aufgreift und integriert, wird es schwer am Puls der Zeit zu bleiben. Ich rede hier auch besonders von einem ganzheitliche Ansatz, der die Kinder nicht nur geistig, sondern auch physisch, mental und emotional besser auf die Zukunft vorbereitet. Ganz wichtig im Bezug auf Bildung generell: JEDES KIND, JEDER MENSCH SOLLTE DAS RECHT AUF FREIE UND KOSTENLOSE BILDUNG HABEN!

Sich in jeglichen Bereichen weiterzubilden kommt nicht von alleine, sondern bedarf Anstrengung und einem gewissen Maß an Disziplin. Diese Werte finden sich auch in den Prints deiner Kollektion wieder: „Hard work beats talent if talent doesn’t work hard”. Warum ist das für dich wichtig und wie definierst du diese Begriffe für dich persönlich?

Talent ist gut, aber am Ende wird Talent alleine nicht ausreichen um Erfolge zu erzielen. Wer sich verbessern will und sein Talent ausbauen möchte muss sich anstrengen und hart arbeiten. Es gibt aber auch die, die weniger Talent besitzen und umso härter arbeiten müssen, um mithalten zu können. Ich denke sowohl im Sport, als auch in allen anderen Lebensbereichen haben wir diesen Mix und wir alle müssen etwas dafür tun, dass wir nicht auf der Stelle stehen bleiben — ganz egal wo man herkommt und ob man mit viel oder wenig Talent geboren wurde!

Vielen Dank für deine spannenden Antworten, Jan! Wir sind unglaublich froh darüber mit dir an diesem wunderbaren Projekt arbeiten zu können.


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