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September 09, 2020 4 min. Lesezeit

Liebe Caro, liebe Stephanie, Hast du, als du deine Diagnose bekamst, überhaupt darüber nachgedacht, welche Auswirkungen der Krebs auf dein Äußeres haben wird?

Caro: An die Konsequenzen für mein Äußeres habe ich erst einmal nicht gedacht. Meine ersten Gedanken gingen rund um meinen Job. Ich hatte gerade erst einen neuen Job gestartet, befand mich noch in der Probezeit und hatte Angst hier alles zu verlieren und finanzielle Probleme zu bekommen. Ein Glück hatte mein Arbeitgeber mich hier aber in jeglicher Hinsicht unterstützt.
Die Angst vor den äußeren Konsequenzen kamen erst als die Behandlung losging und man über die Nebenwirkungen wie auch den Haarverlust aufgeklärt worden ist.
 
Stephanie: Im ersten Moment ging es ausschließlich ums Überleben. Ich habe mir gar keine Gedanken zu meinem Äußeren gemacht, auch wenn dies mir sonst wichtig ist. Dies kam erst mit den Veränderungen, wie dem Ausfallen von Augenbrauen und Wimpern. Da hatte ich das Gefühl, so einen nackten Blick zu haben. Das störte mich sehr. Hier halfen dann Schminktipps.
 
Ab welchem Zeitpunkt sind dir die Haare ausgefallen? Und fallen überhaupt zwangsweise alle Haare aus?
Wie bist du damit umgegangen, als dir die ersten Haare ausfielen?
Hast du von dort an schon darüber nachgedacht, dir eine Perücke zu holen?

Caro: Man hat immer wieder die Hoffnung, dass es einen selbst nicht trifft und die Haare nicht ausfallen, aber gerade bei uns jungen Frauen ist die Chemo so hoch dosiert, dass wirklich mit sehr hoher Garantie alle Haare ausfallen. Und damit sind wirklich alle Haare am Körper gemeint! Als ich nach der ersten Chemo bereits merkte, wie die Haare immer weniger wurden, entschloss ich mich dazu die Haare abzurasieren und mich um eine Perücke zu kümmern.
 
Stephanie: Meine Haare fielen, wie vom Arzt angekündigt, mit der 2. Chemositzung aus. Als die Haare ausfielen, hatte ich nicht sofort eine spiegelglatte Glatze, ich hatte immer noch Haarstoppel, die dann Stück für Stück weniger wurden.
Es gibt heute Methoden, z.B. mit Kühlhauben, um das Ausfallen der Haare zu verhindern oder zu reduzieren. Diese Methode gab es vor 6 Jahren in meinem Mammazentrum noch nicht. Heute bieten sie dies an und viele Frauen nehmen dieses Angebot dankend an.

Ich wollte mir schon mit der 1. Chemositzung vom Frisör die Haare abrasieren lassen. Ich hatte lange, dunkle Locken. Doch der weigerte sich. Er sagt, wir machen dir erst einmal einen modischen Bob und wenn die Haare dann ausfallen, können wir Schritt-für-Schritt kürzer schneiden. Das war für mich eine tolle Alternative. Trotzdem habe ich geweint, als die Haare kürzer wurden. Mich von meinen Haaren zu trennen war auch ein Stück weit, mich von meinem "alten", gewohnten Leben zu verabschieden und nicht zu wissen, was kommen wird.

Es ist dann schon merkwürdig, wenn Du in der Dusche stehst und du lauter kleine Haarstoppel in der Wanne siehst, die durch den Abfluss verschwinden. Aber zu dem Zeitpunkt hatte ich schon mit Perücken und Turbanen gespielt und fühlte mich damit stark.
Ich hatte mir eine Perücke schon vor der ersten Chemo ausgesucht. Ich wollte gut vorbereitet sein. Ein bisschen so, wie wenn man alles vor dem Geburtstermin vorbereitet.
 
Wie bist du zu deiner Perücke gekommen? An wen musstest du dich wenden?

Caro: Ich habe mich hier direkt an einen Zweithaarspezialisten in meiner Stadt gewendet und mich dort beraten lassen. Unter folgendem Link kann man beispielsweise Zweithaarspezialisten in seiner Nähe suchen: https://www.bvz-info.de/
 
Stephanie: Ich hatte im Mammazentrum eine tolle Perückenmacherin empfohlen bekommen. Sie kommt vom Theater und ist sehr kreativ und hat mir viel Mut zugesprochen. Sie hat eine große Auswahl und schneidet die Perücke dann individuell noch nach. Ein tolles Gefühl war es vor ein paar Jahren, diese Perücke als Spende dann zurückzugeben.
 
Hast du eine Perücke gewählt, die deinen natürlichen Haaren ähnelt oder wolltest du etwas ausprobieren?

Caro: Ich wollte unbedingt eine Perücke haben, die genauso sah wie meine „alten“ Haare. Am Ende habe ich das Perückenstudio aber sogar mit 2 Perücken verlassen. Eine blonde wie meine „alten“ Haare und eine brünette Variante. So konnte ich immer einmal variieren und die Nachbarn verwirren ;-)
 
Stephanie: Bei "Königinnen" im Eppendorfer Weg in Hamburg hatte ich eine tolle Beratung. Die Besitzerin zeigte mir eine Perücke, die meiner neuen Bobfrisur mit meiner Lockenstruktur wirklich sehr ähnelte. Bei den Anproben habe ich auch mal rote und blonde Haare ausprobiert. Das war schließlich die Gelegenheit! Es war ein lustiger Nachmittag und es tat unglaublich gut, zu lachen.

Wie hast du dich mit der Perücke gefühlt? Was hat diese in dir ausgelöst?

Caro: Die Perücke hat mir etwas Sicherheit und ein stückweit Normalität zurückgegeben. Man sah mir die Krankheit nicht auf Anhieb an und so fühlte ich mich einfach sicherer und mehr ich selbst.
 
Stephanie: Die Perücke hat mir gerade bei Geschäftsterminen etwas Normalität und Sicherheit geschenkt. Als Unternehmerin in der Modebranche habe ich auch während meiner Chemo gearbeitet und Kunden beraten. Doch ich erzählte nicht jedem Kunden von meiner Diagnose. Ich wollte meine Kunden nicht mit meiner Diagnose konfrontieren und ich wollte ganz besonders keine mitleidigen Blicke. Also setzte ich meine Perücke auf, machte meinen Job und hatte für ein paar Stunden auch mal die ganze Krebssituation vergessen. Das tat mir zwischendurch einfach gut.
 
 
Was hast du in der Zeit über dich selbst gelernt?

Caro: Puh einiges! Ich habe viel über mich selbst gelernt und mich und meinen Körper besser denn je kennengelernt. Man setzt Prioritäten auf einmal ganz anders, traut sich mehr und weiß die kleinen Dinge im Leben zu wertschätzen. Ebenso wie man seine Gesundheit wertschätzen zu weiß und nicht als selbstverständlich ansieht. Zudem habe ich mich in der Therapiezeit viel mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt, eine Ausbildung als Ernährungsberaterin gemacht und gebe mein Wissen und meine Erfahrung nun an viele weitere Menschen weiter.
 
Stephanie: Ich habe gelernt, dass ich wahnsinnig stark bin und dass es gut ist, wenn ich meine Prioritäten ganz neu sortiere. An erster Stelle steht die Familie. Und eine Tätigkeit, der mir sehr viel Spaß macht und in dem ich anderen Menschen helfen kann. Wenn ich anderen Menschen helfen möchte, muss ich jedoch als erstes gut auf mich selber achten. Dann habe ich die Kraft auch anderen Menschen zu helfen.
Weiter habe ich gelernt, dass wir ganz viel selber zur Stärkung unseres Immunsystems während der Chemotherapie beitragen können, nämlich durch Ernährung, Bewegung und Stressreduktion. Diese persönlichen Erkenntnisse und meine wissenschaftlichen Recherchen dazu habe ich mit dem Verein LebensHeldin! e.V. zu einem einzigartigen Mutmacher Videokurs zusammengefasst.
Mehr dazu auf www.diagnosegesundundgluecklich.de

 

Vielen Dank für eure Ehrlichkeit und Offenheit. Wir wissen das wirklich zu schätzen!


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