Februar 23, 2020 5 min. Lesezeit

"In den notwendigen Dingen, Einigkeit - im Zweifel, Freiheit - in allen Dingen, Wohltätigkeit."

(Richard Baxter, Englischer Poet, 1615-1691)

Wer mit einer guten Idee die Welt verändern will, muss sich fragen: Wie verwandelt man den Traum anderen zu helfen, in ein funktionierendes Geschäftsmodell? Und wie bekommt eine wohltätige Organisation die nötige Aufmerksamkeit, um Erfolg zu haben? Gute Fragen, auf die es überraschende Antworten gibt!

Wenn Charity-Organisationen zur Bekämpfung von Umweltverschmutzung so erfolgreich wären wie Apple, Google oder Coca-Cola beim Verkauf ihrer Produkte, dann wäre das Problem längst für immer vom Tisch. Doch davon sind sie weit entfernt. Oftmals bleiben ihre Bemühungen bloße Tropfen auf dem heißen Stein. Warum?

Ziele wie die Bekämpfung von Armut und Hunger oder die Bewahrung der Regenwälder und bedrohter Tierarten sind so gigantisch in ihrem Anspruch, dass die Charity-Organisationen selbst – wie Apple oder Amazon – gigantische finanzielle und personelle Mittel bräuchten, um ihrem Ziel näher zu kommen. Und wie cool wäre das bitte, wenn eine Charity-Organisation zur Beseitigung von Plastikmüll im Ozean plötzlich vermelden könnte: Ok, Leute, das war's! Die Meere sind wieder sauber – check!

Kapitalistische Doppelmoral

Viele werden sich jetzt wundern: Das Einzige, was der Entwicklung von Charity-Organisationen zu weltbewegenden Unternehmen einen Riegel vorgeschoben hat, sind wir. Genauer gesagt: die Art, wie wir über das Thema Wohltätigkeit denken. Überlegt euch mal Folgendes: Wenn ein normales Unternehmen wie Burger King weltweit fettige Snacks verkaufen oder ein Technikkonzern regelmäßig neue Smartphones auf den Markt werfen will, um damit Profit zu machen, dann ist das in unserem kapitalistisch orientierten System kein Problem. Im Gegenteil. Was aber offenbar ein Problem darstellt ist, wenn eine Wohltätigkeitsorganisation Gutes tun und ebenfalls Profit machen will. Denn: Wer mit Wohltätigkeit (erfolg)reich wird, bei dem kann was nicht stimmen!

Und genau das ist der große Fehler. Würde man Charities behandeln wie normale Firmen, wären sie wohl heute ebenso groß und erfolgreich wie Microsoft oder McDonalds – und damit unglaublich effektiv dabei, die Welt zu verändern. Doch unsere ethischen Vorstellungen stehen dem im Weg. Eine Studie aus dem Jahr 2002 von den US-Amerikanern Georg Overholser und Sean Stannard-Stockton fand heraus, was die systematische Benachteiligung von Non-Profit-Organisationen de facto bedeutet. Nämlich, dass zwischen 1970 und 2002 nur 144 solcher Wohltätigkeitsorganisationen in den USA die Schwelle von 50 Millionen Dollar Umsatz überschritten, während es im For-Profit-Sektor ganze 46.136 Unternehmen waren, die diese Marke knackten. Wir sehen also: hier treffen Paralleluniversen aufeinander. Gutes tun, lohnt sich nicht – zumindest finanziell gesehen.

Mit angezogener Handbremse

Aus dem Irrglauben, man dürfe als wohltätige Organisation keine Profite erwirtschaften, ergibt sich eine ganze Reihe von fatalen Folgen. Wer zum Beispiel seine berufliche Zukunft in den Dienst einer guten Sache stellen will, der überlegt sich das angesichts dieser Kirchenmaus-Ideologie zweimal. Heute heißt Charity für potenzielle Unternehmer nämlich vor allem eins: Opfer bringen. Wie wäre es aber, wenn dieses Hindernis wegfiele und die klügsten Köpfe von den besten Universitäten die Möglichkeit hätten, ein lukratives Charity-Business zu lenken? Das würde die Sache schon interessanter machen, oder?

Fakt ist: wer keine Profite erwirtschaftet, der kann als Unternehmen auch nicht wachsen, nicht investieren, keine Top-Mitarbeiter einstellen. Dann fehlt die Innovationsfähigkeit. Und ohne Innovation, keine Investitionen und kein Wachstum – und dementsprechend auch Pech für den Regenwald, die Krebsforschung, hungernde Menschen in Krisengebieten oder was auch immer sich die jeweilige Organisation in den Kopf gesetzt hat.

Weil in unserer verqueren Vorstellung Profit offenbar das absolute Böse ist, wenn es um wohltätige Zwecke geht (allerdings völlig ok, solange man nicht wohltätig arbeitet?!), fehlt einfach die Grundlage, um entsprechende Charity-Projekte auf den Maßstab zu bringen, der wirklich Erfolg verspricht. Dabei hatte schon der weltberühmte Autor Karl May begriffen:

„Die Macht des Geldes wirkt auf den Menschen genau wie jede andere irdische Macht: wohltätig, solang er sie beherrscht, verderblich aber, sobald er ihr zu gehorchen beginnt.“

Warten auf die Flut

Da unter den herrschenden Spielregeln in Charity-Organisationen kein Profit und somit auch keine Rendite zu holen ist, interessieren sich auch Investoren nicht dafür. Was das heißt? Dass eine Charity kaum Kapital zur Verfügung gestellt bekommt, um zu investieren – in neue Ideen, neue Projekte oder groß angelegte Kampagnen zur Aufklärung über ein Thema. Ohne Profit können die Kräfte des Marktes aber nicht für das Gute genutzt werden.

In der Welt von Big Business gilt das Gegenteil: Hier sind Investoren geradezu wild darauf, ihr Geld in ein gutes Projekt zu geben und bringen sogar die Geduld mit, wenn nötig jahrelang auf die Ausschüttung ihrer Rendite zu warten. Der Autokonzern Tesla wäre dafür ein gutes Beispiel. Bei Charity-Organisationen ist das leider ganz anders. Hier haben die Geldgeber und Spender meist weder Zeit noch Geduld, da sie nicht auf eine mögliche Rendite warten, sondern sofortige Ergebnisse sehen wollen. Anders gesagt: Spender wollen lieber JETZT den Tropfen auf den heißen Stein als auf die geplante Flutwelle in ein paar Jahren zu warten. So aber kann es mit der Weltverbesserung nichts werden.

Marketing für das Gute

Aus dieser Situation ergibt sich auch, dass die Charities keine finanziellen Mittel übrig haben für Werbe- und Marketingmaßnahmen, wie das sogenannte Fundraising. Und was bitteschön ist heute schon eine Organisation, die keine Werbung macht? „Wer nicht wirbt, der stirbt“, sagt schon ein altes Sprichwort.

Während also profit-orientierte Unternehmen unzählige Fantastillionen in Werbeclips oder ganzseitige Anzeigen in Zeitungen investieren, um ihr Produkt oder ihre Idee weltbekannt zu machen, haben Charity-Organisationen im Durchschnitt die PR-Power von Postkutschen – also gar keine. Wenn eine Organisation aber ohne PR-Kampagne 10 Millionen Euro an Spenden für eine gute Sache sammeln kann, mit einer 10-Millionen Euro teuren Kampagne aber 100 Millionen, dann wird klar, wo es hakt…

Und by the way: In den vergangenen Jahren haben in Deutschland immer weniger Menschen für gute Zwecke gespendet. Gleichzeitig lag das Spendenaufkommen 2017 auf einem Rekordhoch von über 5 Milliarden Euro. Das Geld kam dabei zu einem überwiegenden Teil von Senioren. Was zeigt das? Dass die Spendenbereitschaft unter jüngeren Leuten gering ist, da jüngere Generationen nicht erreicht werden – und Charities in wenigen Jahren ein echtes Problem haben.

Social-Media verändert das Game

EMERALD BERLIN macht sich über die hier beschriebene Problematik ernsthaft einen Kopf. Als social Start-up interessiert uns vor allem, wie gute Projekte effektiv und nachhaltig unterstützt, Awareness erzeugt und so Charity-Projekte auch wirklich realisiert werden können. Genau in diese Kerbe schlägt auch das Projekt NANDINI. Die Gründerin Natalie Nothstein hat es sich mit ihrem Projekt „Sharing is Caring“ zur Aufgabe gemacht, genau die oben beschriebene Problematik des fehlenden Marketings im Bereich von Charity-Organisationen anzugehen.

Was tut Sie dafür? Sie nutzt die Macht von Social-Media, um auf wohltätige Projekte aufmerksam zu machen – das ist effektiv, erreicht viele junge Menschen und bleibt dabei trotzdem kostengünstig. So werden bekannte Persönlichkeiten aus allen Bereichen zu NANDINI-Botschaftern für den guten Zweck, unterstützen Projekte ihrer Wahl und tragen die Botschaft weiter an die digitale Community. So bekommen gute Projekte die PR-Power, die sie brauchen. Eine geniale Idee, wie wir finden.

Und mal ehrlich: wärt Ihr nicht auch direkt dabei, wenn Ihr durch ein Like, einen Facebook-Post oder eine Instagram-Story die Bekanntheit eines tollen Projektes fördern könntet? Wir auch! Wenn Ihr mehr über das Projekt NANDINI erfahren wollt, besucht gerne unsere Webseite. Und wer nicht nur gut informiert sein, sondern auch selbst als Supporter und Botschafter für das Gute aktiv werden will, der sollte einen Blick auf unsere EMERALD x NANDINI – Fashion-Kollektion werfen und die Message direkt auf die Straße – oder in die Sozialen Medien – tragen. Den Instagram-Kanal von EMERALD habt ihr sicher schon entdeckt, oder? Hier gibt es ständig Updates rund um unsere Kollektionen und Projekte – schaut doch mal vorbei!

Der Autor dieses Blog-Artikels ist Marc Dassen. Du möchtest Ihm eine Rückmeldung geben oder hast eine Frage? Schreibe Ihm gerne via marc@emerald-berlin.com.


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