Januar 26, 2020 5 min. Lesezeit

„Erst wenn jene einfache und über allen Zweifel erhabene Wahrheit, dass die Tiere in der Hauptsache und im Wesentlichen ganz dasselbe sind wie wir, sich im Volk durchgesetzt hat, werden die Tiere nicht mehr als rechtlose Wesen dastehn.“

Arthur Schopenhauer (1788 – 1860)

Wie würde eine Welt aussehen, in der wir Menschen mit der Natur und den Tieren im Einklang leben? Eine ziemlich gute Frage, die sich Naturschützer und diverse NGO’s weltweit täglich stellen. Laut Experten wie dem Fachwissenschaftler Nigel Stork schätzt man heute die Artenvielfalt auf 5 bis 15 Millionen verschiedene Lebewesen, die auf unserem Planeten existieren – darunter zahllose Tier- und Pflanzenarten, aber auch Organismen wie Pilze. Nur ein kleiner Bruchteil davon ist von uns Menschen überhaupt schon entdeckt worden. Was vielleicht auch besser so ist. Schließlich landet bei uns Menschen ja vieles auf dem Speiseplan (oder als Trophäe an der Wand), was nicht bei drei auf dem Baum ist.

Um einen Anhaltspunkt dafür zu haben, wie es um die Artenvielfalt der Erde bestellt ist, gibt es seit 1962 die sogenannte „Rote Liste bedrohter Arten“. Diese Liste wird seither von der Organisation IUCN – der International Union fort he Conservation of Nature“ – herausgegeben und mittlerweile zweimal pro Jahr aktualisiert. (Was offenbar auch nötig ist, um mit dem rapiden Verschwinden der Arten mitzuhalten). Die Rote Liste ist also so etwas wie ein Barometer für den Zustand der Umwelt und ihrer Lebewesen.

Der aktuelle Stand umfasst mehr als 112.000 untersuchte Spezies. Laut der IUCN sind heute über 30.000 von ihnen – also rund 27 % – in ihrer Existenz bedroht. Konkret heißt das: rund 40% aller Amphibienarten – Frösche, Kröten, Lurche – sind heute stark bedroht. Ebenso 25 % aller Säugetiere – etwa Luchse, Tiger, Pandas, diverse Affenarten und Delphine. Auch sind heute 30% aller Korallen und Nadelbaumarten in ihrem Fortleben gefährdet.

Die Gefahrenskala reicht dabei von „EX“ (ausgestorben) über „EN“ (gefährdet) bis hin zu „NT“ (potenziell gefährdet) und „LC“ (nicht gefährdet). Für viele Arten fehlen ausreichende Daten, um den Bestand einschätzen zu können. Als ausgestorben gelten diverse Arten von Tigern, Nashörnern, Echsen, Mammuts und Laufvögel wie der Dodo. Vor wenigen Wochen wurde der Beo zum Zootier des Jahres 2020 gekürt – eine etwas traurige Auszeichnung, denn der sprachtalentierte Singvogel gilt heute als besonders bedroht.

Was kaum einer für möglich hält: die große Mehrzahl der seit der Neuzeit ausgestorbenen Tierarten – und das sind Zighundert Tausende – verschwand von der Erdoberfläche nicht etwa durch natürliche Prozesse wie Vulkanausbrüche, Waldbrände oder Paarungsfaulheit, sondern – Sie ahnen es schon – durch aktive Bemühungen des Menschen. Laut Umweltexperten des WWF liegt die derzeitige Aussterberate bis zu 1000% über dem normalen Wert. Eine ziemlich beachtliche Leistung des Menschen, wenn man bedenkt, dass diese Verwüstung sozusagen als Nebenprodukt unserer wirtschaftlichen und industriellen Aktivität „so nebenbei“ produziert wird.

Kürzlich haben die verheerenden Waldbrände in Australien – angefacht durch heftige Winde und verschlimmert durch lange ausbleibenden Regen – eine bislang kaum bezifferbare Katastrophe ausgelöst. Experten schätzen, dass die Feuer bislang fast eine halbe Milliarde Tiere getötet haben. Viele uralte Wälder gleichen surrealen Mondlandschaften aus Ruß und Kohle. Auch hier war der Mensch wohl nicht ganz unschuldig. Inmitten der Katastrophe wurden Menschen aber auch zu Helden: Feuerwehrleute und Farmer, die Kängurus und Koalas vor den Flammen retteten, setzten nicht selten ihr Leben aufs Spiel.

Besonders rapide bergab geht es mit der Artenvielfalt laut Experten seit dem 17. Jahrhundert, als sich der Mensch fleißiger denn je die Erde Untertan machte. Die industrielle Revolution hat mit dem effektiven Umpflügen von Naturlandschaften und dem Eingriff in sensible Biotope das Artensterben stark beschleunigt. Das Wachstum der menschlichen Population und der Bedarf an Ressourcen ging (und geht) nach wie vor meist auf Kosten von Mutter Natur. Zu unserem Wohle werden gerne schon mal Flüsse begradigt, Wälder gerodet und uralte Biotope zu Agrarflächen oder Hotelbaustellen umgemodelt…

Heute wächst glücklicherweise das Bewusstsein für die Auswirkungen von derartigen Eingriffen sowie die Wirkung von Pestiziden, Chemikalien, Düngemitteln und Plastikmüll auf die Umwelt und nachhaltiges Denken und Wirtschaften feiert in vielen Bereichen bereits erste Etappensiege – doch das Kind (oder in unserem Fall der Tier- und Artenschutz) ist leider schon vor langer Zeit in den Brunnen gefallen.

Wer jetzt denkt „Naja, mit dem Aussterben so vieler Arten in den letzten Jahrhunderten wird der Mensch sicher nicht sooo viel zu tun haben“, der hat natürlich völlig recht. Meistens ist es tatsächlich nur sowas wie ein Autoreifen, oder das Mähwerk eines Traktors, oder eine Schiffsschraube oder Talsperre oder einfach nur ein langer Zaun quer durch einen Wald, der sich ein bisschen ungünstig auf die Lebenszeit von Tieren auswirkt.

Nicht selten ist es aber doch schlicht und einfach die Jagd, die die Bestände dezimiert. Da denkt man direkt an gelangweilte und schießwütige Adelige und Promis, die triumphierend in die Kamera lächeln, während sie ihren Stiefel im Nacken eines toten Löwen abstellen oder an Wilderer, die unbedingt Elfenbein verkaufen wollen, oder eben an Hochseekapitäne, die alles tun, um irgendwelchen feinschmeckenden Gourmets Haifischflossensuppe kredenzen wollen.

Ähnliche Gründe liegen auch bei der stetig voranschreitenden Ausrottung des Orang-Utan vor. Diese Art kommt ausschließlich auf den Inseln Sumatra und Borneo vor. Wer Bilder des orangehaarigen Primaten sieht, der denkt vielleicht automatisch an den letzten Zoobesuch, oder an King Lui aus Disneys Dschungelbuch – oder an einen mitunter leicht orangefarbigen Politiker mit Zottelfrisur.

Alles berechtigte Assoziationen. Aber hättet ihr geahnt, dass auch diese uns Menschen sehr verwandte Spezies akut vom Aussterben bedroht ist? Zu 96,5% genetisch identisch mit uns, hat es der Orang-Utan in den Regenwäldern seiner Heimat echt schwer, ein einigermaßen menschenwürdiges Leben zu führen. Nur noch knapp 50.000 dieser Wesen – das indonesische Wort Orang-Utan heißt übrigens „Waldmensch“ – sind heute noch am Leben. Es waren mal weit über 200.000, so schätzen Forscher. Laut einer vor 2 Jahren veröffentlichten Studie wurden in den letzten 16 Jahren über 100.000 Orang-Utans getötet. Das sind durchschnittlich 17 am Tag! (WTF?)

Die Wissenschaftler geben an, dass die meisten von ihnen durch Brandrodung für die industrielle Plantagenwirtschaft, durch Wilderer und durch Farmer getötet wurden. Die Organisation BOS – Borneo Orangutan Survival versucht das Überleben dieser Art zu sichern und hat eine Rettungsstation für Baby-Orang-Utans errichtet, die Jungtiere aufnimmt und versorgt, die ihre Eltern verloren haben.

EMERALD BERLIN möchte die Arbeit der Organisation BOS – Borneo Orangutan Survival nach Kräften unterstützen. Deshalb haben wir eine eigene Fashion-Kollektion für dieses Projekt entworfen. So wollen wir auf die Organisation, die Arbeit der Unterstützer und die Bedeutung des Themas Artenschutz aufmerksam machen.

Für mehr Informationen zu diesem Projekt besuche unsere Webseite und wirf auch mal einen Blick unsere Statement-Kollektion.

Wir danken Dir für deine Unterstützung!

Der Autor dieses Blog-Artikels ist Marc Dassen. Du möchtest Ihm eine Rückmeldung geben oder hast eine Frage? Schreibe Ihm gerne via marc@emerald-berlin.com.


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