Juni 21, 2020 7 min. Lesezeit

Was du in deinem Alltag tun kannst

70 Prozent der Treibhausgas-Emissionen sind auf etwa 100 Unternehmen zurückzuführen, vor allem Erdöl-, Kohle- und Gasproduzenten. Das ist das beunruhigende Ergebnis einer Studie von 2017. Ist das, was wir als Einzelne für den Klimaschutz tun können, also sowieso egal? Wir meinen, nein. Natürlich braucht es enorme weltweite Anstrengungen und Druck auf die Politik. Doch wirtschaftlich orientierte Unternehmen handeln nicht im luftleeren Raum. Sie produzieren das, was durch uns Konsumenten auch gekauft wird. Anders gesagt: Unsere Haltung und unser Konsum beeinflussen das, was große Unternehmen tun. Natürlich sind faire Kleidung, ein ökologisch bewusster Einkauf oder eine umweltfreundliche Reise nur kleine Bausteine – doch viele kleine Einzelteile ergeben irgendwann etwas Großes. Deshalb kann unser Konsumverhalten große Kraft entfalten. Es ist vielleicht die größte Macht, die wir haben.  

Auch der Weltklimarat IPCC sieht neben den Regierungen jeden und jede Einzelne in der Pflicht, alles zu tun, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Möglich ist das in verschiedenen Bereichen, in denen wir alle immer wieder neu entscheiden können. Hier stellen wir ein paar Sofortmaßnahmen vor. Wichtig: Jedes bisschen zählt! Wenn du nicht alle Maßnahmen sofort umsetzen kannst, mache irgendwo einen Anfang. Gehe einen Schritt nach dem anderen – und sprich mit anderen darüber. Denn je mehr von uns etwas tun, desto mehr können wir schaffen.

Mobilität und Reisen
Mobil sein und Reisen – beides steht für Freiheit, Wohlstand und gesellschaftliche Teilhabe. Und es macht einfach Spaß! Seit 1960 hat sich der Personenverkehr vervierfacht. Hinzu kommt der Güterverkehr, der sich im selben Zeitraum immerhin verdreifacht hat. Doch der Verkehr belastet auch die Umwelt. Das können wir tun:

  • Weniger Auto fahren:
    Autos mit Verbrennungsmotoren sind schlecht für die Ökobilanz. Überlege dir, welche Wege du auch anders zurücklegen könntest: mit dem Rad, zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Manche Strecken sind ohne Auto noch extrem mühsam. Für solche Fahrten gilt: versuche zumindest, so oft wie möglich mit anderen gemeinsam zu fahren. Um auf die gleiche Ökobilanz wie ein Zug zu kommen, muss ein Auto mit mindestens drei Personen besetzt sein. Wenn du in der Stadt wohnst, kannst du Carpool-Apps nutzen. Ansonsten kannst du mit Nachbarn eine feste Fahrgemeinschaft für regelmäßige Fahrten gründen, zum Beispiel zur Arbeit oder zum Einkaufen.

  • Langstreckenflüge vermeiden: 
    Weniger fliegen ist gut fürs Klima – auch wenn Reisen zu den schönsten Dingen der Welt gehört und mit Billig-Airlines die Verlockung ganz schön groß ist ... Gerade Langstreckenflüge schlagen in deiner persönlichen Öko-Bilanz schwer zu Buche. Mit einer Fernreise weniger kannst du auf einen Schlag eine Menge Emissionen sparen. Ein Ansatz ist es, weniger unterschiedliche Reisen pro Jahr zu machen, dafür länger an einem Reiseziel zu bleiben. Verschiedene Unternehmen bieten auch eine finanzielle Kompensation für Treibhausgase an. Du zahlst zusätzlich zum Preis des Flugtickets eine Gebühr, mit der – zum Beispiel durch den Ausbau Erneuerbarer Energien – woanders CO2 eingespart wird. Solche Kompensationszahlungen sind zwar nur die zweitbeste Lösung, aber besser als nichts.

  • Fair reisen: 
    Viel kannst du auch mit der Wahl deiner Reiseziele erreichen. Auch innerhalb von Deutschland und Europa gibt es faszinierende Ziele, die du mit dem Zug oder Reisebus erreichen kannst. Kennst du zum Beispiel die unglaublich klare Luft und den Weitblick der nordfriesischen Inseln? Oder die romantischen Flussläufe und Kanäle des Spreewalds? Und das sind nur zwei von unzähligen Beispielen. Direkt vor der Haustür liegen noch so viele Highlights! Informiere dich auch darüber, ob dem Reiseveranstalter Klimaschutz ein Anliegen ist oder welche Angebote du vor Ort nutzen willst. Skifahren in der Wüste könnte zum Beispiel nicht dazu gehören. ;)

  • Video Calls statt Dienstreisen: 
    Wenn du beruflich reisen musst, prüfe gemeinsam mit deinem Arbeitgeber, ob du wirklich persönlich anwesend sein musst oder ob eine Videokonferenz reicht. In der Corona-Zeit haben wir damit ja einige Erfahrungen gesammelt. Viele Firmen setzen bei wirklich notwendigen Dienstreisen inzwischen darauf, zumindest auf Inlandsflüge zu verzichten.

Ernährung
Auch mit unserem Ernährungsstil können wir ganz direkt zu mehr Nachhaltigkeit beitragen. An vielen Stellen der Lebensmittelproduktion entstehen Treibhausgase, zum Beispiel in der Tierhaltung, bei der Lebensmittelverarbeitung und beim Transport. Als Faustregel gilt: Die Erzeugung tierischer Lebensmittel hat eine höhere Klimabelastung zur Folge als die Erzeugung pflanzlicher Produkte.

  • Weniger Tiere, mehr Pflanzen essen: 
    Der Grund liegt einerseits in den Emissionen durch die Tiere selbst, Ressourcen- und Flächenverbrauch bei der Haltung, denn auch die Produktion ihres Futters ist CO2-intensiv. Hinzu kommen Emissionen bei der Verarbeitung, beim Transport der Tiere und der Fleischprodukte, bis es in deinem Kühlschrank landet. Fast 70 Prozent der Emissionen in der Lebensmittelproduktion lassen sich auf tierische Lebensmittel zurückführen. Pflanzliche Produkte machen hingegen nur etwa 30 Prozent aus.

  • Jedes weniger ist mehr:
    Wenn du Steaks und Schnitzel einfach liebst und nicht darauf verzichten willst, kannst du den Konsum von Fleisch vielleicht reduzieren. Jede vegetarische Mahlzeit ist ein Stück Fleisch weniger – und das ist schon super! Niemand muss von heute auf morgen zum Hardcore-Veganer werden. Probiere stattdessen mal, an drei Tagen in der Woche ganz bewusst bei allen Mahlzeiten auf Fleisch zu verzichten. Wenn du bereits vegetarisch isst, könntest du gemeinsam mit Freunden über einen begrenzten Zeitraum eine Vegan-Challenge machen. Gib auch den vielen neuen Veggie-Alternativen mal eine Chance, wenn du sie noch nicht kennst.

  • Fleisch aus deiner Region kaufen: 
    Wenn du dir ein Stück Fleisch gönnen möchtest, kannst du darauf achten, dass es aus deiner Region kommt. Der Vorteil: Die langen Transporte fallen weg – das ist besser für die Umwelt und für die Tiere. Du wirst sehen, dass es dann auch noch deutlich besser schmeckt als das Fleisch aus dem Discounter.

  • Regional rockt:
    Das gilt natürlich nicht nur für Fleisch. Auch bei allen anderen Produkten gibt es oft regionale Alternativen. Nicht nur fürs Klima, sondern auch für Leib und Seele gut: Wochenmärkte, auf denen Produzenten aus der Gegend ihre frischen Waren anbieten.

  • Saisonales auf den Teller:
    Bei frischem Obst und Gemüse spielt auch die Jahreszeit eine Rolle. Wenn du kannst, wähle Sorten, die gerade bei den Landwirten in deiner Nähe reif werden, statt Früchte, die aus der Ferne hertransportiert werden müssen. Informiere dich, wann welches Obst und Gemüse reif ist. Hint: Erdbeeren zu Weihnachten gehören zum Beispiel nicht dazu. Im Netz findest du Saisonkalender für Obst, Gemüse und Salate – oft auch mit Ideen für leckere Gerichte.

  • Weniger Lebensmittel wegschmeißen:
    Fast ein Drittel der produzierten Lebensmittel landen im Müll. Pro Person sind das unvorstellbare 82 Kilo im Jahr – zwei volle Einkaufswagen! Dagegen hilft: planvoll einkaufen, Lebensmittel richtig aufbewahren, kreativ kochen und auch etwas aus Resten zaubern. Über verschiedene Plattformen kannst du Lebensmittel verschenken, die du nicht aufbrauchen kannst – oder du fragst deine Nachbarn ... Übrigens: Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist genau das: das Datum, bis zu dem ein Lebensmittel mindestens haltbar ist. Nicht höchstens! Verlass dich ruhig auf deinen Geschmacks- und Geruchssinn und schau dir an, wie das Lebensmittel aussieht. Wenn dir nichts auffällt, ist es höchstwahrscheinlich noch absolut in Ordnung.

  • Müll vermeiden: 
    Apropos einkaufen: Für deinen nächsten Einkauf leg dir ruhig schonmal ein paar Tüten und Beutel bereit, die du mehrfach verwendest. Plastik zu vermeiden hat zwar im Vergleich zum Verzicht auf Fleisch und Langstreckenflüge einen weniger großen Impact auf die CO2-Reduktion. Zum Umweltschutz trägt eine Plastikdiät trotzdem bei, weil es die Müllberge kleiner hält. Kunststoffe sind nicht vollständig zersetzbar, werden verbrannt oder gelangen in die Meere. Neben nachhaltigen Gemüsenetzen und mehrfach genutzten Papiertüten für Brot und Brötchen gibt es auch Bienenwachstücher, mit dem du Reste und Proviant für unterwegs verpacken kannst. In vielen Läden kannst du dir auch an der Käsetheke deinen Einkauf darin einwickeln lassen.

Dein Zuhause
Mit wenigen Ausnahmen müssen unsere Wohngebäude beheizt werden – meist noch mit fossilen Brennstoffen. Auch wenn du kein eigenes Haus hast, bei dem du ganz bewusst in umweltfreundliche Technik investieren kannst, kannst du einiges bewirken:

  • Schlau heizen:
    Hast du dich schonmal mit der Temperatur in deiner Wohnung befasst? Wenn du sie um ein Grad senkst, kannst du schon einiges an Energie sparen. Informiere dich über richtiges Lüften und andere Tricks und mach dich bei deiner Hausverwaltung zum Beispiel für moderne Heizungsthermostaten stark. Und halte beim nächsten Flohmarktbummel doch mal nach ein paar echten Wollpullis Ausschau, die richtig schön warmhalten.

  • Stromfresser vom Netz nehmen:
    Geräte auszuschalten, wenn sie nicht genutzt werden, ist eigentlich selbstverständlich. Mit Steckdosenleisten mit Schalter kannst du auch die Standby-Funktion ausschalten. Jedes Gerät für sich fällt kaum ins Gewicht, alle zusammengenommen, kommt aber schon einiges zusammen. Informiere dich auch darüber, welche Geräte überhaupt wie viel Strom brauchen. Besonders stromintensiv sind zum Beispiel Backöfen, Durchlauferhitzer und ältere Kühl- und Tiefkühlschränke.

  • Stromanbieter wechseln:
    Wähle einen Stromanbieter, der den Strom aus regenerativen Quellen wie Wind, Sonne, Wasser, Biomasse und Geothermie bezieht. Im Kleingedruckten deines aktuellen Anbieters erfährst du, zu welchen Anteilen der Strom bereits aus solchen Quellen kommt oder ob du Strom aus Atom- und Kohlekraftwerken bekommst.

Kleidung
Da du diesen Beitrag bei uns auf Emerald Berlin liest, hast du dich damit vermutlich schon beschäftigt! ☺ Auch die Textilindustrie hat einen Anteil an der Produktion schädlicher Treibhausgase. Erdöl ist zudem der Rohstoff, aus dem Synthetikfasern sind. Und von der Produktion einmal abgesehen: Tagtäglich machen sich unglaubliche Mengen an neu produzierter Ware auf den Weg aus den Herstellerländern zu uns, den Konsumenten.

  • Mehr nachhaltige Labels:
    Wenn du Kleidung kaufst, schau auf die Siegel zur Umweltverträglichkeit und informiere dich, wofür sie stehen. Entsprechende Labels setzen auf Umweltschutz und faire Produktionsbedingungen, aber auch auf Qualität und Langlebigkeit. Nachhaltig heißt, dass die verarbeiteten Materialien nachwachsend sind und ohne viel Chemie und meistens mit einem deutlich geringeren Wasserverbrauch verarbeitet werden. Fair heißt, dass die Kleidung unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt wird. Ein hochwertiges Teil kann Jahre halten, weshalb ist dann auch okay ist, wenn es etwas mehr kostet.

  • Secondhand-Kleidung:
    Eine weitere Option sind Klamotten aus zweiter Hand. So manches Lieblingsteil findet sich über Verkaufsplattformen, Tauschbörsen, Flohmärkte und Charity-Shops. Das ist nicht nur nachhaltig, so schaffst du ganz nebenbei auch deinen eigenen Look jenseits der Mainstream-Mode. Übrigens: Oft gibt es auch ganz aktuelle Stücke der großen Modeketten schon secondhand auf einer der Plattformen. So kann der Fehlkauf einer anderen ganz schnell zu deinem neuen Favourite werden!

  • Weniger ist mehr:
    Jedes fünfte Kleidungsstück wird nur ein- oder zweimal getragen – dann wird es weggeschmissen. Und mal Hand aufs Herz: Einen zu vollen Kleiderschrank haben wir irgendwie alle, oder? Was hilft: Insgesamt weniger, aber hochwertige nachhaltige Kleidung kaufen – und diese Teile dann bewusster und länger tragen.

Mehr über Nachhaltigkeit im Allgemeinen und nachhaltige Mode erfährst du hier.

    Die Autorin dieses Blog-Artikels ist Katharina Frier-Obad. Du möchtest ihr eine Rückmeldung geben oder hast eine Frage? Schreibe ihr gern hier einen Kommentar.


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